Öffentliche Überwachung in China

Öffentliche Überwachung in China: Chinas Bürger*innen – abgeschottet, überwacht und beurteilt: Wir werfen in diesem Podcast einen analytischen Blick auf die Überwachungs- und Kontrollpraktiken, denen die chinesischen Bürger*innen ausgesetzt sind. Die moderne chinesische Mauer ist heute virtuell und beschränkt die freiheitliche Nutzung des Internets im Land der Mitte, auch das Verhalten und der Konsum der Chinesen unterliegt immer größerer Kontrolle. Wir untersuchen, wie das funktioniert, welchen Einfluss das auf die Bevölkerung hat und versuchen zu erklären, weshlab diese Praktiken kaum auf Gegenwind stoßen. Auch ein Modellversuch zur algorithmischen Aanalyse der Leistungen chinesischer Schüler*innen zeigt die Potenziale und Risiken der sich immer weiter ausbreitenden Überwachung. Ning, Felix und Steffi besprechen all das und mehr, also schaltet ein und werft danach gerne einen Blick in die aufgeführten Quellen.

Felix Netzel, Ning Ma, Stefanie Braun

Literaturverzeichnis

Podcast Literaturverzeichni

Teil 1: Überwachung im Alltag

Comparitech, 2024. [online] Verfügbar unter: https://www.comparitech.com/blog/vpnprivacy/ the-worlds-most-surveilled-cities/ (access: 19. 08. 2024).

Hong Kong Free Press. (2020). The Evolution of China’s Great Firewall: 21 Years of Censorship. Verfügbar unter: https://hongkongfp.com/2017/09/03/evolution-chinasgreat- firewall-21-years-censorship/ (access: 19. 08. 2024).

Li, J. (2020). Living Under the Watchful Eye: Personal Experiences with China’s Surveillance. Blogpost auf http://www.chinasurveillanceblog.com/living-under-watchful-eye (access: 23. 08. 2024).

Qiang, X. (2019). Surveillance State: Inside China’s Quest to Launch a New Era of Social Control. Cambridge: Harvard University Press.

The China Story. (2020). Chapter 7: Behind The Great Firewall. Verfügbar unter: https://www.thechinastory.org/yearbooks/yearbook-2020/chapter-7-behind-the-great- firewall/ (access: 19. 08. 2024).

Wu, T. (2018). The Great Firewall of China. New York: Oxford University Press.

Završnik, A.: Algorithmic justice: Algorithms and big data in criminal justice settings. In: European Journal of Criminology 2021, 18(5), S. 623-642. https://doi.org/10.1177/1477370819876762 (access: 08.07.2024).

Teil 2: Das Sozialkredit-System (Social Credit System, SCS)

Bertelsmann Stiftung, 2020. [pdf] Verfügbar unter: https://www.bertelsmann- stiftung.de/fileadmin/files/aam/Asia-Book_A_03_China_Social_Credit_System.pdf (access: 19. 08. 2024).

Curran, D., & Smart, A.: Data-driven governance, smart urbanism and risk-class inequalities: Security and social credit in China. In: Urban Studies 2021, 58(3), S. 487- 506. https://doi.org/10.1177/0042098020927855 (access: 08.07.2024).

China Briefing, 2024. Verfügbar unter: https://www.china-briefing.com/news/updates-to-china-social-credit-system-violations- and-restoring-bad-credit/ (access: 19. 08. 2024).

Liu, C., 2020. Law & Social Inquiry. [online] Verfügbar unter: https://www.cambridge.org/core/journals/law-and-social-inquiry/article/from- datafication-to-data-state-making-sense-of-chinas-social-credit-system-and-its- implications/EDF66228C909BE5A24180EFC1904BE00 (access: 19. August 2024).

Liu, C.: Who supports expanding surveillance? Exploring public opinion of Chinese social credit systems. In: International Sociology 2022,37(3), S. 391-412. https://doi.org/10.1177/02685809221084446 (access: 08.07.2024).

Hou, R., Fu, D.: Sorting citizens: Governing via China’s social credit system. In: Governance 2024,37(1), S. 59-78. https://doi.org/10.1111/gove.12751 (access: 09.07.2024).

TechNode, 2024. Verfügbar unter: https://technode.com/2018/10/23/china-social-credit/ (access: 19. 08. 2024).

Trauth-Goik, A.: Civilized cities or social credit? Overlap and tension between emergent governance infrastructures in China. In: Global Media and China 2023, 8(3), S. 305- 326.

Teil 3: Überwachung im Bildungssystem

deutschlandfunk.de. (o. D.). Alles unter Kontrolle – Chinas intelligenter Schule entgeht nichts. Deutschlandfunk. https://www.deutschlandfunk.de/alles-unter-kontrolle-chinas- intelligenter-schule-entgeht-102.html (access: 08.12.2024).

Hein, H. (2024). Die Dystopie der digitalen Ära: Wie moderne Technologien unsere Zukunft gestalten und bedrohen. https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-17651-8_5 (access: 08.12.2024).

“智慧管理”全方位监控引争议,课堂需要什么样的“高科技”? (o. D.). Copyright © 2017 Sohu.com Inc. All Rights Reserved. https://www.sohu.com/a/234092527_243614 (access: 08.12.2024).

人工智能进课堂引争议 有助于教学?边界在哪?-中国新闻网. (o. D.). https://www.chinanews.com.cn/m/gn/2018/07-06/8558048.shtml (access: 08.12.2024).

网易. (2021, 18. Dezember). 时代大辩论!人工智能和传统教育,应如何实现双赢? 网易版权所有. https://www.163.com/dy/article/GRGQH90C0518WF2F.html (access: 08.12.2024).

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Bildquelle: _salvius_ In: https://pixabay.com/de/vectors/podcast-netz-radio-benutzerbild- 5227930/ (access: 14.02.2025)..

Transkript

[Felix]: Hallo und herzlich willkommen zu unserem Podcast. Wir sind drei Studierende der Universität Potsdam und stellen euch diesen Podcast im Rahmen des Seminars Gesellschaft der Algorithmen bei Professor Dr. Verwiebe vor. Mein Name ist Felix.

[Nina]: Mein Name ist Nina.

[Stephanie]: Mein Name ist Stephanie.

[Felix]: Schön, dass ihr eingeschaltet habt. Heute gehen wir nach China, sprechen aber über ein Thema, das nicht nur in China, sondern weltweit immer mehr an Bedeutung gewinnt. Überwachung. Genauer gesagt, schauen wir uns an, wie die zunehmende Überwachung der Öffentlichkeit und des Privaten in China das Leben der Menschen beeinflusst und wie sie damit umgehen.

[Stephanie]: (.) Genau. Das Thema Überwachung ist in China besonders spannend, weil dort Technologien wie die große Firewall, das Sozialkreditsystem und viele Überwachungskameras nicht nur allgegenwärtig sind, sondern auch das Leben der Menschen in einer Weise prägen, die wir uns hier oft gar nicht vorstellen können.

[Nina]:(.) Ja, und ich kann da aus persönlicher Erfahrung berichten, da ich selbst in China gelebt und studiert habe. Ich weiß also, wie sich diese Überwachung im Alltag bis dahin anfühlte. Heute wollen wir nicht nur darüber sprechen, wie diese Überwachungssystem funktionieren, sondern vor allem, wie sie das tägliche Leben der Menschen beeinflussen. Wir fragen uns Wie gehen die Menschen damit um? Passt sich die Gesellschaft einfach an? Oder gibt es auch Widerstand und kreative Strategien, um diese Maßnahme zu entgehen?

[Felix]:Um das Ganze etwas übersichtlicher zu gestalten, haben wir den Podcast in drei Teile gegliedert. Das heißt, jeder von uns hat sich intensiv mit einem spezifischen Bereich der Überwachung in China beschäftigt und wird diesen den anderen vorstellen.

[Stephanie]: Ja, Felix beginnt gleich mit dem ersten Teil und wird uns erklären, wie die Überwachung im Alltag aussieht. Also wie die große Firewall und Überwachungskameras den Alltag der Menschen beeinflussen und was das für ihr tägliches Leben bedeutet.

[Felix]:(.) Danach, also im zweiten Teil, wird Stephanie uns in die Welt des sogenannten Sozialkreditsystems einführen, einem ziemlich einzigartigen System, bei dem die Regierung Punkte an Bürgerinnen und Bürger vergibt oder auch abzieht, basierend auf ihrem sozialen Verhalten. Das hat natürlich enorme Auswirkungen auf soziale Interaktionen und das Leben der Menschen in vielerlei Hinsicht.

[Nina]: Und dann übernehme ich den dritten Teil, in dem es um die Überwachung im Bildungssystem geht. Ich werde euch erzählen, wie Schule und Universität überwacht werden, welche Technologie dabei zum Einsatz kommen und was das für Schüler und Lehrer bedeutet. Und natürlich auch, wie die jungen Menschen in China darauf reagieren.

[Stephanie]: (.) Genau. Das Sozialkreditsystem ist wirklich ein faszinierendes, aber auch beunruhigendes Beispiel dafür, wie Überwachung direkt das soziale Verhalten steuern kann. Ich werde euch zeigen, wie das funktioniert und wie die Menschen darauf reagieren.

[Felix]: Und am Ende fassen wir dann alles noch einmal zusammen und werden versuchen herauszufinden, wie die unterschiedlichen Überwachungsmaßnahmen das Leben in China insgesamt prägen und ob es eher Anpassungen oder eher Widerstand gibt.

[Nina]: Also bleibt rein, es wird spannend. Wir tauchen jetzt tief in das Thema ein und startet direkt mit dem ersten Teil Überwachung im Alltag.

[Stephanie]: Ja Felix, erzähl uns doch mal, was du herausgefunden hast.

[Felix]: Super gerne. Wir legen direkt los. (…….) Okay, dann lasst uns mal tiefer in die Überwachung im Alltag in China eintauchen. (.) Zunächst einmal wäre da die große Firewall. Ihr habt vielleicht schon mal davon gehört. Das ist auch wahrscheinlich das bekannteste Instrument der Überwachung in China.

[Stephanie]: Ja, davon habe ich schon gehört. (.) Auch, dass sie Websites blockiert und Inhalte filtern kann. Also das klingt ziemlich umfassend.

[Felix]:Ja, genau. Die große Firewall ist seit den späten 1990 er Jahren gewachsen und zu einem der fortschrittlichsten Systeme zur Internetzensur weltweit geworden. Webseiten wie Google, Facebook, Ex ehemals Twitter und viele andere sind in China einfach blockiert. Stattdessen gibt es chinesische Alternativen wie Baidu, WeChat und Weibo, die aber streng überwacht werden. Es geht aber nicht nur um das Blockieren von Webseiten. Die große Firewall überwacht auch den Datenverkehr und filtert spezifische Inhalte, die als politisch sensibel angesehen werden könnten.

[Nina]: (.) Ja, bis 2017, als sie noch in China gelebt habe, war das schon spürbar. (.) Ich habe ein paar ausländische Freunde, als ich noch in China war. Und wenn wir uns kontaktieren wollen, müssen wir uns bei WeChat anmelden. WhatsApp ist nämlich blockiert. Hier kam es auch schon vor, dass ich bestimmte Nachrichten mit politisch sensiblen Inhalten nicht erhalten konnte. Diese Nachrichten kamen dann einfach nicht rein.

[Felix]: (.) Das ist ein wirklich interessanter Punkt, weil diese Kontrolle für viele Menschen in China wirklich eine tägliche Realität ist. Ich habe auch gelesen, dass viele Menschen, gerade jüngere Generationen, die Zensur als normal empfinden, weil sie nichts anderes kennen. Aber es gibt eben auch Menschen, die argumentieren, dass diese Kontrolle einen gewissen Schutz bietet, zum Beispiel vor dem Zugang zu schädlichen Inhalten oder der Verbreitung von Fake News. Es ist also wirklich eine Frage der Perspektive.

[Stephanie]: Das klingt wirklich paradox.

[Felix]: Ein anderes Thema sind ja auch noch die CCTV Netzwerke, also die Überwachungskameras. China hat über 200 Millionen Stück davon. Das ist die höchste Dichte an Kameras weltweit. Diese Kameras sind auch mit Technologien wie Gesichtserkennung ausgestattet, die in Echtzeit die Identität von Menschen erfassen und sogar ihre Emotionen analysieren können.

[Nina]: (.) Ja, diese Kameras war schon 2017 überall. Aber das Vorteil ist, dass man sich sicher fühlen, wenn man nachts allein unterwegs sind.

[Stephanie]: Ich habe mal gelesen, dass die Gesichtserkennung in China sogar dazu genutzt wird, Menschen in großen Menschenmengen zu erkennen und zu identifizieren oder auch zu verfolgen. Das klingt schon nach einer ganz schönen Herausforderung für das Gefühl der Privatsphäre.

[Felix]: Ja, das stimmt. Man kann besonders in den größeren Metropolregionen, wo die meisten Chinesinnen leben, beinahe jeden Winkel und Quadratmeter abbilden. So lassen sich Individuen von Kamera zu Kamera verfolgen, bis das Verstecken nahezu unmöglich wird. Statistiken der Aufklärung von Kriminalfällen im Land bestätigen die Effektivität dieses Systems auch. Zweifellos. Jedoch kommt es bezüglich der Privatsphäre sehr auf die Perspektive an und auf das, was wir normal nennen bzw auch gewohnt sind. Die Formulierung andere Länder, andere Sitten ist hier also tatsächlich sehr passend. Die Menschen in China sehen oft mehr Vorteile an den CCTV Systemen, als Menschen in Europa oder Nordamerika das vielleicht tun würden. In vielen urbanen Gebieten fühlen sich die Menschen durch die Kameras sicherer, besonders nachts oder in unsicheren Gegenden, wie in denen ja auch schon, meinte vorhin. Und es ist eben dieses Gefühl, dass Verbrechen schnell erkannt und verfolgt werden können. Man kann das auch in öffentlichen Verkehrsmitteln sehen, zum Beispiel in Ubahn, in Peking oder in Shanghai, wo die Überwachung auch sehr präsent ist. Hier etwas zu verlieren oder Opfer eines Gewaltdelikts zu werden, ist deutlich weniger wahrscheinlich als in den meisten anderen Orten mit einer so hohen Dichte an Menschen.

[Stephanie]: Da kann man eigentlich fast sagen, dass diese Überwachung eigentlich ein notwendiges Übel für die Menschen dort ist.

[Felix]: Dann ist ja das andere Thema noch die Überwachung von Social Media. Das habe ich ja vorhin auch schon kurz angeschnitten. Plattformen wie WeChat und Weibo, die Menschen in China täglich verwenden, werden streng überwacht. Und man muss dazu sagen, dass da auch noch mal ein anderer Umgang mit Technologie dieser Art generell besteht. Also die Menschen nutzen diese Apps wie WeChat zum Beispiel so vielseitig, dass es auch wirklich heutzutage einfach schwierig ist, in China jetzt die Entscheidung zu treffen. Okay, ich entziehe mich jetzt ganzheitlich davon, indem ich diese Apps einfach nicht mehr nutze. (.) Die Regierung kann auf private Nachrichten zugreifen und es gibt automatische Filter, die bestimmte Schlüsselwörter blockieren. Nutzer müssen also sehr vorsichtig sein, was sie posten oder teilen.

[Nina]: (.) Ja, das kann ich bestätigen.

[Felix]: Es zeigt einfach auch, wie die Menschen sich an die Überwachung anpassen müssen und ihre Kommunikation entsprechend verändern. Viele Leute in China nutzen zum Beispiel auch sogenannte VPNS, um die große Firewall zu umgehen und auf blockierte bzw verschlüsselte Webseiten zuzugreifen.

[Stephanie]: Aber das klingt doch auch riskant, oder? Ich meine, VPNS sind in China illegal, oder?

[Felix]: Ja, genau. Das stimmt. Die Nutzung von VPNS ist offiziell illegal und kann auf jeden Fall auch zu Strafen führen. Aber viele Menschen nutzen sie eben trotzdem, weil sie einfach keinen anderen Weg sehen, um unzensierte Informationen zu erhalten. Es gibt eben auch Berichte über Menschen, die wirklich kreative Wege finden, um trotzdem ihre eigene Meinung frei äußern zu können. Zum Beispiel durch verschlüsselte Nachrichten oder indirekte Kommunikation, um bestimmte Themen anzusprechen, die sie öffentlich sonst nicht ansprechen würden, ohne dass da quasi in den Systemen die roten Lampen angehen.

[Stephanie]: (.) Das zeigt wirklich, wie kreativ die Menschen sein müssen, um ihre Meinung zu äußern. Hast du noch andere Beispiele, wie die Leute versuchen, das System zu umgehen?

[Felix]: (.) Ja, es gibt da einige interessante Ansätze. Zum Beispiel verwenden viele Leute in China sogenannte Homophone, also Wortspiele, um zensierte Begriffe zu umgehen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist, dass statt Harmonia Society Harmonia Society ist ein sozio ökonomisches Konzept, Das beschreibt gewisse Ungerechtigkeiten, die in China existieren. Das ist quasi ein Thema, wo die Regierung nicht möchte, dass das intensiv breitgetreten wird. (.) Statt Harmony Society benutzen die Leute die chinesische Übersetzung von River Crab oder Flusskrebs. Also wirklich ein völlig anderes Wort. Und so können sie eben ihre Meinung äußern, ohne direkt zensiert zu werden.

[Nina]: Das habe ich auch oft gesehen. Die Menschen im Internet haben inzwischen eine neue Sprache entwickelt, die sogenannte Cybersprache, mit dem sie ihre Gefühle auf lustige Art und Weise ausdrücken können.

[Felix]: Das ist echt cool. Aber trotz dieser kreativen Ansätze führt die Überwachung im Alltag natürlich zu einem Gefühl der ständigen Beobachtung. Das wirkt sich stark auf das Verhalten und die Kommunikation aus. Viele Menschen lernen, sich anzupassen, aber es bleibt eben eine Form der Selbstzensur, die tief in den Alltag integriert ist. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Menschen, die diese Überwachung als einen Beitrag zur Ordnung und Sicherheit im täglichen Leben sehen. Wieder andere Menschen gehen humorvoll mit der Situation um. Fakt ist aber Jeder und jede muss sich zumindest überlegen, wie er oder sie sich positioniert. Wozu Stellung bezogen wird und wozu nicht. Welchen Witz man über Social Media verbreitet und welchen man lieber für sich behält.

[Stephanie]: (.) Ja, das ist wirklich faszinierend. Aber es klingt auch ein bisschen beklemmend. Man sieht, dass die Überwachung nicht nur schwarz weiß ist, sondern dass auch viele Grautöne darin gibt. (.) Aber wie gehen die Menschen eigentlich emotional damit um? Gibt es da Berichte?

[Felix]: (.) Ja, es gibt viele Berichte darüber, dass sich die Überwachung zu einem psychologischen Druck entwickelt. Menschen fühlen sich oft angespannt und unwohl, weil sie wissen, dass sie ständig beobachtet werden könnten. Diese ständige Überwachung kann das Vertrauen untereinander schwächen und ein Gefühl der Unsicherheit erzeugen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch eine Art der Resignation. Viele haben sich einfach daran gewöhnt und akzeptieren es als Teil ihres Lebens. Ich bin bei meiner Recherche auch immer wieder auf Stimmen von Menschen gestoßen, die einfach versuchen, unter dem Radar zu bleiben und sich gegenüber ausländischen Nachrichtenagenturen gar nicht zu den Systemen äußern wollen. Ich denke, die Menschen in China sind sehr gut darin geworden, abzuwägen, worüber es sich lohnt zu sprechen und wem es sich lohnt zu vertrauen.

[Nina]: (.) Ja, das ist auch in meiner Wahrnehmung. Für die meisten Bürger hat die Überwachung keine Auswirkungen auf ihr normales Leben, sondern ermöglicht es ihnen viel mehr rechtzeitig Hilfe von der Polizei zu erhalten, wenn ihr irgendwas passiert.

[Felix]: (.) Ja, das ist ein wirklich wichtiger Punkt, finde ich. Es zeigt einfach, dass die Art und Weise, wie diese Überwachung gewertet und beurteilt wird. Es kommt wirklich sehr, sehr stark auf die Perspektive an und wir zumindest in unserer europäischen oder westlichen Perspektive sind das einfach nicht gewohnt und sehen vielleicht deswegen auch nicht so unbedingt die Vorteile davon. Aber gut, ich denke, das gibt uns jetzt erstmal einen ganz guten Überblick über das ganze Grundthema. Die ganzen Grunddynamiken wollen wir dann zum nächsten Thema übergehen.

[Stephanie]: Na klar, ich übernehme dann mal mit dem Sozialkreditsystem. (…….) Dann gehen wir jetzt mal auf das Sozialkreditsystem ein. Das werde ich jetzt im Laufe der Zeit auch mal zwischendurch mit SCs abkürzen. Das ist (.) die Abkürzung für den englischen Ausdruck Social Credit System, und das ist ein eines der umfassendsten Instrumente zur sozialen Kontrolle in China, das wurde. Die Herkunft ist so ungefähr in den frühen Zweitausendern, da wurde das das erste Mal angedacht. Hier hat nämlich China sich das erste Mal wirklich Gedanken darüber gemacht, wieso in den USA beispielsweise oder auch in anderen Ländern nicht so viele Betrugsfälle bei Krediten etc. irgendwie passieren. Und das liegt eben (.) daran, dass in den USA Menschen, also auch in Deutschland von der Schufa Menschen als kreditwürdig oder unwürdig eingeteilt werden. Und das hat sich die chinesische Regierung quasi abgeschaut und dann noch weiter ausgebaut.

[Felix]: Das ist ja interessant. Also das heißt, die ursprüngliche Motivation war eigentlich rein ökonomisch. Wann wurde das System denn dann offiziell eingeführt und zu dem, worüber wir heute sprechen?

[Stephanie]: Ja, rein ökonomisch würde ich das jetzt nicht unbedingt nennen. Also es ist. (.) Es hat natürlich auch einen starken politischen Hintergrund. Im Endeffekt wollte man halt den Kapitalismus in (.) komfortable Bahnen lenken. Für die chinesische Regierung quasi. Eingeführt wurde das erstmals 2014 in einem Regierungsdokument und es wurde dann bis 2020 sukzessive ausgebaut. Es ist im Endeffekt ein System, in dem Bürgerinnen in vertrauenswürdig und nicht vertrauenswürdig eingeteilt werden. Und das ist eben dann auch wieder eng mit den Zielen der chinesischen Regierung zur Stärkung von Kontrolle. Ich mache gerade Anführungszeichen und Disziplin. Ich habe schon wieder welche gemacht verbunden. Im Endeffekt wird er aber nicht nur die Kreditwürdigkeit einer Person überwacht, sondern auch ihr gesamtes Verhalten, genauso wie das Verhalten von Unternehmen oder auch von Regierungsbehörden beispielsweise auf kommunaler Ebene. (.) Man muss allerdings sagen, dass das SCS noch nicht auf nationaler Ebene eingeführt wurde, sondern sich von Verwaltungsbezirk zu Verwaltungsbezirk unterscheidet, also ein generelles Social Credit System in China gibt es per se noch gar nicht. Die chinesische Regierung baut das allerdings weiter aus. Und es gibt auch keinen Zweifel, dass die komplette Ausbildung quasi das Ziel ist.

[Nina]: (.) Im Prinzip ist es ein allumfassendes Bewertungssystem. (.) Magst du nochmal ausführen, wie genau das System dann in der Praxis aussieht?

[Stephanie]: Ja klar, gerne. Also hier werden die Menschen in China nach verschiedenen Faktoren beurteilt und sie erhalten dafür Punkte. (.) Für die einzelnen Bürgerinnen ist ein Score über 950 erwünscht. Man jagt dem quasi hinterher und ein Score unter 350 will man auf jeden Fall vermeiden. Also wir können uns merken 950 Punkte heißt viele Vergünstigungen für die Menschen. Unter 350 Punkte hat man sehr viele Nachteile.

[Felix]: Und was sind das dann für Daten, die da gesammelt werden? Also wie kommt so eine Bewertung zustande?

[Stephanie]: Also gesammelt werden diese Daten, beispielsweise finanzielle Daten, das Verhalten in den sozialen Medien, rechtliche Dokumente, das öffentliche Verhalten von sogenannten Techgiganten, die hinter den Apps wie Alipay und WeChat stehen. (.) Sie werden. Die Daten werden bei diesen Firmen quasi zusammengefügt und dann eben vom chinesischen Staatsapparat kategorisiert, also beurteilt. Und diese Daten können dann eben auch anderen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Wenn man jetzt beispielsweise mit dem Zug oder einem Flugzeug reisen will, dann winken mit einem hohen Punktestand Vergünstigungen und bei einem niedrigen Punktestand kann es allerdings sein, dass einem auch das Reisen verwehrt wird oder dass man beispielsweise mehr bezahlen muss dafür.

[Nina]: (.) Ich habe damals in der Nachrichten gelesen, dass einige Personen als säumige Zahler benannt wurden und wegen unbezahlter Schulden nicht mehr mit Zeugen fahren dürfen. Laut Medienberichten war das System 2017 noch nicht flächendeckend etabliert. Ich weiß aber, dass seitdem viel Entwicklung in diesem Bereich stattfand.

[Stephanie]: Genau. Also es ist noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Allerdings wurde schon die nächste Phase von 2021 bis 2025 eingeleitet und da wird man dann wahrscheinlich noch deutlich näher an der Flächendeckung dran sein. (.) Eventuell ist man dann auch schon fertig damit. Das System, das möchte ich noch mal vorstellen. Das ist nicht unbedingt ein zentralisiertes System. (.) Das heißt, in verschiedenen Provinzen Chinas können bestimmte Verstöße oder nichtkonformes Verhalten auch deutlich ernster geahndet werden, als es das Zentralorgan der Partei eigentlich vorhergesehen hatte. Bisher gibt es natürlich noch Unterschiede von Verwaltungsbezirk zu Verwaltungsbezirk.

[Felix]: Das ist wirklich wahnsinnig weitreichend. Ich finde es wirklich super spannend. Kannst du vielleicht noch mal ein bisschen darauf eingehen? Du hast jetzt schon das Thema angesprochen, wenn ich fliegen oder Bahn fahren möchte. Kann es sein, dass ich mit niedrigen Punkten irgendwie Probleme oder vielleicht sogar eine teurere Platzreservierung habe? Was gibt es denn sonst noch so für soziale und ökonomische Aspekte? Vielleicht auch, auf die sich jetzt ein sehr guter oder auch ein sehr schlechter Punktestand auswirken könnte?

[Stephanie]: Ja, also ganz runtergebrochen, es ist ein Zuckerbrot und Peitsche System für alle möglichen Verhaltensweisen. Also positive Bewertungen können zu sehr vielen Vorteilen führen, dass man schnellere und höhere Kredite erhält. Man hat bessere Chancen auf dem Wohnungsmarkt, auf dem Berufsmarkt. (.) Man hat wie gesagt, Vergünstigungen beim Reisen, man hat Reisefreiheit. Das ist natürlich sehr wichtig. (.) Aber auch (.) andere Vorteile wie bevorzugten Zugang zu Dienstleistungen wie Kinderbetreuung, Bildungseinrichtungen (.) usw. Also (.) man hat einfach sehr viele Vorteile dadurch. Auch beispielsweise juristische Anliegen können deutlich schneller bearbeitet werden.

[Nina]: (.) Was passiert, wenn man negativ bewertet wird?

[Stephanie]: (.) Also negative Bewertungen können zu Nachteilen führen. Also dass die Reisefreiheit, wie schon erwähnt, eingeschränkt wird. Man hat aber einen erschwerten Zugang zu Krediten und Finanzdienstleistungen. Das ist ja auch in anderen Ländern und Kontinenten der Erde ähnlich. Man hat aber auch deutliche Beschränkungen bei der Wohnungssuche. (.) Nachteile bei der Karriere in der beruflichen Laufbahn. Also ähm, was ich noch super spannend finde ist, dass wenn man beispielsweise bei Rot über die Ampel geht oder sich anderweitig nicht konform verhält. Da gibt es auch die (.) die Bestrafung des Public Shaming quasi. Also man wird öffentlich bloßgestellt und stigmatisiert. Man wird beispielsweise auch auf Leinwänden präsentiert, mit Gesicht, mit Klarnamen. Und da werden dann auch schwarze Listen beispielsweise veröffentlicht mit Personen, die sehr niedrige Scores haben. Was dann natürlich auch zur Folge hat, dass die Gefahr laufen, sozial isoliert zu werden. Also Freunde, Familie, Kollegen meiden den Kontakt, damit man eben damit ihr Score nicht weiter sinkt (.) und eben viel, viel weitreichendere Einschränkungen. Also man hat auch einen erschwerten Zugang zu Versicherungen, (.) man muss höhere Prämien bezahlen und die Anträge werden nicht so schnell bearbeitet und es können natürlich auch rechtliche Konsequenzen daraus folgen, wenn man irgendwie sich kriminell verhält oder wenn man zu oft über eine rote Ampel gelaufen ist.

[Felix]: Also das klingt ja wirklich extrem für meine europäische Perspektive jetzt. Es scheint ja so, als würde das System das Verhalten der Menschen in (.) nahezu allen Bereichen des Lebens beeinflussen.

[Stephanie]: Absolut. Also ich meine, im Endeffekt muss man darauf achtgeben, was man im Internet von sich gibt, wo man was zu essen kauft, weil die Transparenz des Sozialkreditsystems ist auch nicht besonders hoch. Man weiß nicht unbedingt, welche Daten (.) gesammelt werden und welche eine Auswirkungen haben. (.) Man muss aufpassen, wo man arbeitet, welches Umfeld man hat, wie die Jobchancen sind, ob und wie man reisen kann, wie viel man dafür bezahlen möchte, wie andere Menschen einen wahrnehmen. Also noch mal Stichwort das Public Shaming, das ich vorhin schon erwähnt habe. Das Ziel ist im Endeffekt die Erziehung eines gläsernen, regelkonformen Bürgers. Die Folge ist, dass man ständig darauf achtet, was man konsumiert, egal was, wie man sich äußert, wie man sich verhält. Also ist es wirklich. Es betrifft das ganze Leben.

[Nina]: Es ist wirklich bemerkenswert, wie tief das System in das Leben der Menschen eingreift. Ich habe von Menschen gehört, die wirklich genau darauf achten, ihr Gold zu halten oder zu verbessern. Gleichzeitig entsteht eine Art Paranoia, weil niemand genau weiß, was das Gold beeinflusst. Hauptsächlich liegt es aber daran, dass es von Staat zu Staat unterschiedliche Anforderungen gibt, sodass sich die Leute ein wenig unsicher fühlen und verwirrt sind.

[Felix]: Stephanie, Du bist ja unsere Expertin zu dem Thema. Gibt es denn Studien, die gezeigt haben, wie die Bevölkerung darauf reagiert? Also gibt es Anpassungsstrategien oder vielleicht sogar Widerstand?

[Stephanie]: Ja, In akademischen Kreisen hat man bereits festgestellt, dass Menschen aus einem sozial prekären Umfeld von dem System eher benachteiligt werden, weil beispielsweise ihr Konsumverhalten eben nicht dem entspricht, was sich die Kommunistische Partei unter einem angemessenen Konsumverhalten vorstellt, während sozial und ökonomisch besser aufgestellte Menschen eher von dem System profitieren können. (.) Ich habe auch eine Studie mitgebracht von Chung Cheng Liu. Der Mann ist Teil des Departments of Sociology von der University of California in San Diego und der hat eine Studie mit der Leitfrage gemacht (.) Supports expanding surveillance. Also wer steht hinter der (.) sich verbreitenden Überwachungstechnik? Diese Studie ist entstanden in Zusammenarbeit mit CrawlTricks. Das ist ein Umfrageunternehmen und die haben Samples gezogen. Die basieren auf Bildungsstand, Alter, Provinz und Geschlecht, um repräsentativ zu sein. Einige Regionen wie Xinjiang oder Tibet wurden nicht inkludiert, weil die Rekrutierung dort so schwierig war. (.) Im Endeffekt hat Qualtrix Einladungen zur Teilnahme verschickt und wenn eine Antwort zurückkam, wurde der oder diejenige dann in die jeweilige Gruppe, nach Alter, Geschlecht etc. eingeteilt. Die Studienteilnehmer wurden dann zu ihrer Zustimmung zur öffentlichen Überwachung befragt, zu den Aspekten, welche in ihren Augen belohnt und bestraft werden sollten und wie sie die Bestrafung beurteilen. Und da hat man herausgefunden, dass die Zustimmung der chinesischen Bevölkerung eigentlich ziemlich hoch ist. Am meisten lehnt tatsächlich die Menschen die umfassende Überwachung ab, die relativ nah am mittleren Parteiapparat der Kommunistischen Partei stehen, die also in diesem Umfeld arbeiten oder direkt für die Partei. Die stehen nämlich unter einem größeren Druck. Die kriegen mehr Aufmerksamkeit, werden mehr überwacht. Sie wissen auch genauer, welche Details (.) überwacht werden, während die breite Bevölkerung eben keinen so intransparenten Einblick bekommt. Sie stehen irgendwo zu hoch in ihrem sozialen Stand, um noch weiter durch gutes Verhalten profitieren zu können. (.) Dazu muss gesagt werden, dass die Studie nur Daten einiger Provinzen erhoben hat, von denen wir jetzt eben auf ganz China generell schließen und auch erst, wenn das SCS generell eingeführt wurde. Eine weitere Analyse von Xu Xu, Genia, Kostka und Sunkara. Es tut mir wirklich leid, wenn ich die Namen versaut habe. Geht auch noch mal auf die Frage der Zustimmung der Bevölkerung ein und hat ergeben, dass in den chinesischen Staatsmedien auch wenig bis gar nicht über das repressive Potenzial des SCs berichtet wird, was natürlich auch einen großen Einfluss auf die Meinungsbildung der Bevölkerung hat. Präsentiert wird einem also hauptsächlich der Nutzen und weniger die möglichen Schäden. Das könnt ihr in der University of Chicago Press und unter den Journals nachlesen. Hierauf hat jeder freien Zugriff. Wir verlinken euch natürlich gerne den Artikel.

[Felix]: Das ist wirklich spannend. Also je höher man quasi im sozialen Stand steht, desto mehr hat man ja auch zu verlieren und desto mehr neigt man dann statistisch zumindest in dieser Studie zu Kritik am SCS.

[Stephanie]: Ja genau. Also sie riskieren quasi mehr. Die können quasi nur verlieren und das eben schon durch kleinere Vergehen, da eben einfach mehr Aufmerksamkeit zuteil wird. (.) Noch dazu hat man herausgefunden, dass ihre politische Einstellung tatsächlich liberaler ist als die der breiten Bevölkerung. Man ist quasi in der Kommunistischen Partei, weil es ihnen dient. Nicht unbedingt, weil sie irgendwie ideologisch dafür brennen oder besonders loyal wären. (.) Deswegen haben sie eben auch die geringeren Aufstiegsmöglichkeiten in der Kommunistischen Partei.

[Nina]: (.) Ist es ein verbreitetes Problem, dass Leute nicht genau wissen, was den Scope beeinflusst?

[Stephanie]: Ja. Dadurch, dass es quasi ein nicht zentralisiertes für ganz China gibt, sondern viele unterschiedliche SCs in ich mach mal Anführungszeichen mit Fingern für alle Zuhörer in Testphasen in unterschiedlichen Provinzen ist es natürlich super intransparent. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele dadurch einfach versuchen, einen über korrektes Verhalten an den Tag zu legen. Ich weiß allerdings nicht, ob ein zentralisiertes System, gesteuert von der Regierung, dann transparenter gemacht werden würde. Also an der Stelle würde ich das tatsächlich noch anzweifeln.

[Felix]: (.) Verrückt. Also das scheint ja wirklich ein gewaltiger Druck zu sein und irgendwie auch ein gewaltiger Spagat, mit dem die Leute dort leben. Auf der einen Seite eben die Vorteile und auf der anderen Seite irgendwie diese, ja, diese ständige Angst, Fehler zu machen.

[Stephanie]: Genau. Also es kommt auch oft vor, dass die Leute dann natürlich überkorrigieren, weil sie eben nicht so einen transparenten Einblick haben. Und das ist eben das Spannungsfeld, in dem sich die Menschen bewegen. Das Sozialkreditsystem ist eigentlich eines der besten Beispiele dafür, wie die Überwachung in China das tägliche Leben beeinflusst. Und der Einfluss wird mit der Weiterentwicklung des Systems natürlich nur noch größer werden.

[Nina]: (.) Okay, lass uns jetzt über die Überwachung im Bildungssystem sprechen. Ein Thema, das zunehmend Aufmerksamkeit in China erhält. (…….) Die Technologie, über die wir heute sprechen, befindet sich noch im Versuchsstadium, hat aber bereits breite Diskussionen in der Gesellschaft ausgelöst. (.) Es handelt sich um das Klassenzimmerüberwachungssystem.

[Felix]: Ein Klassenzimmerüberwachungssystem. Das klingt ja total wild. Wie genau funktioniert das?

[Nina]: Ja, es ist in der Tat ein sehr spezielles System. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass die junge Generation in China unter dieser Überwachung lebt. Wer in japanische Länder findet auch in China die Sozialisierung durch die Schule statt? Das Sozialkreditsystem, das wir bereits erwähnt haben. Und die Frage, warum die weitverbreitete Überwachung in China effektiver unterstützt und umgesetzt wurden, können durch die Brille der Bildung analysiert werden. Daher möchte ich heute eine Technologie vorstellen, die sich noch im Versuchsstadium befindet und im Bildungsbereich eingesetzt wird. Vielleicht können wir dadurch einige der zuvor genannten Fragen beantworten oder diskutieren.

[Stephanie]: (.) Das klingt, als ob diese Technologie tatsächlich sehr kontrovers ist. Kannst du ein Beispiel nennen, wo das bereits eingesetzt wird.

[Nina]: (.) Ja, die elfte Mittelschule in Hangzhou ist eine Pilotschule für diese Klassenzimmer Überwachungssystem. Die Schulleiter wurden dazu interviewt und sagte (.) Was aufgezeichnet wird, sind nur Informationen über das Verhalten der Schule, die dann in Codes für die Analyse umgewandelt werden. Keine Glasraum Videos. Die Privatsphäre der Schüler ist geschützt.

[Felix]: Das hört sich an, als ob die Schule versucht, eine Art Mittelweg zu finden. Wie funktioniert diese Überwachungstechnologie denn genau?

[Nina]: (.) Die Funktionen des Überwachungssystems im Klassenzimmer sind vielfältig. Zunächst einmal gibt es die Gesichtserkennung, die die Emotionen der Schüler sofort feststellt, indem sie ihr Mikroausdrücke zur Analyse erfasst. So kann die Lehrer beispielsweise sehen, ob ein Schüler 121 Mal gelesen und 33 Mal zugehört, oder ob ein Schüler auf dem Tisch eingeschlafen ist. (.)

Das Überwachungssystem erstellt auch ein Diagramm der Konzentration der Schüler, das durch die Kombination von Emotionen und Verhaltensweisen bestimmt wird.

[Stephanie]: Oh, das klingt ja super detailliert. Das könnte doch eigentlich dem Lehrer helfen, den Unterricht besser auf die Schüler abzustimmen, oder?

[Felix]: Ja, das war auch mein erster Gedanke. Ich frag mich aber auch, wie die Schülerinnen das empfinden. Werden sie dadurch nicht ständig wahnsinnig unter Druck gesetzt?

[Nina]: Der Einsatz dieser Technologie in Schule wird viel diskutiert. Befürworter argumentieren, dass Schülern nur dann ein Weg finden können, die für sie funktioniert, wenn sie ermutigt werden, verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren. Sie meint auch, dass es den Lehrern ehrliches Feedback geben kann, was sehr effektiver sein könnte, um den Unterricht zu verbessern. Außerdem argumentieren sie, dass es in der heutigen Gesellschaft schwierig ist, ohne Technologie voranzukommen und es darin umso so wichtiger ist, dass das Bildungssystem der Technologie proaktiv annimmt.

[Stephanie]: Das klingt ja grundsätzlich nach einer starken Argumentation für den Einsatz dieser Technologie. Aber was sagen die Kritiker?

[Nina]: (.) Die Gegner dieser Technologie argumentieren, dass die umfassende Überwachung in der Schule der Entwicklung der Kinder abträglich ist. Sie betonen, dass es nicht richtig ist, glückliche Schüler einheitlich als wohlerzogen zu definieren, während Stirnrunzeln und Zusammenzucken über den Tisch als unerwünschtes Verhalten definiert werden. Siehe das Überwachungssystem als eine neue Form der Dominanz Technologie, bei der die Schule als Disziplinierungsorgan und die Schüler als unterwürfiger Individuen betrachtet werden.

[Felix]: (.) Das ist natürlich auch wieder eine wichtige Perspektive. Es scheint (.) in der Natur der Sache dieser Systeme zu liegen, dass es nie nur diese eine Seite der Medaille gibt, sondern dass irgendwie den Vorteilen immer Nachteile gegenüberstehen und umgekehrt.

[Stephanie]: Ja, (.) gibt es eigentlich auch unterschiedliche Meinungen unter den Schülern und Lehrern und Eltern?

[Nina]: Scusi Ja, die Meinungen sind auch innerhalb dieser Gruppe gespalten. Einige Schüler sagen, dass sie sich durch die Überwachung unter Druck gesetzt fühlen, vor allem, weil jede ihrer Bewegungen aufgezeichnet und analysiert wird. Andere wiederum sehen darin eine Möglichkeit, ihr Schultag effizient zu gestalten. Da die Technologie ihnen helfen zu analysieren, wann sie produktiv sind, wann sie eine Pause brauchen und in welchen Kursen sie sich mehr engagieren.

[Stephanie]: Und wie stehen die Eltern zu diesem Thema?

[Nina]: Der Schutz der Privatsphäre und die Sicherheit durch die Überwachungstechnologie sind zentrale Thema in dieser Diskussion. Viele Eltern sind wegen der immensen Belastungen durch die Abitursprüfung besorgt über die Verletzung der Privatsphäre. Aber die meisten Eltern würden es vorziehen, wenn sie einen besseren Überblick darüber hatten, wie sich vier Kinder im Laufe des Tages in der Schule schlagen. Als darüber, ob die Leistungen ihrer Kinder im Unterricht aus Gründen der Privatsphäre überwacht werden. Dazu fällt mir ein Beispiel ein, das vielleicht nicht ganz passt. Ich habe zwei Katzen zu Hause und habe Überwachungskameras (.) installiert, um zu sehen, ob sie etwas kaputt gemacht haben oder gefressen haben. Wenn ich nicht zu Hause bin oder ob sie krank sind. Aber ich schalte die Kamera aus, wenn ich Gäste habe. Denn meine Haustiere sind meine Verantwortung, während meine Freunde unabhängige Individuen sind. (.) Ich kann meine Hunde nicht überwachen. Das wäre unethisch.

[Felix]: Das ist aber eigentlich ein sehr interessantes Beispiel. Ich finde, das zeigt ganz gut, wie komplex das Thema ist und wie schwierig es auch irgendwie ist, da die richtige Balance zwischen dem Mehrwert, der Überwachung und diesem Aspekt der Ethik auf der anderen Seite zu finden.

[Stephanie]: (……..) Ja, das ist sicher ein Thema, das ein gesamtes Studium füllen könnte. Wenn ihr euch noch weiter informieren wollt, findet ihr thematisch sortierte Literaturnachweise unter der Audiodatei. Dazu muss gesagt werden, dass die meisten tatsächlich auf Englisch sind. Danke schön an Professor Dr. Verwiebe für die Gelegenheit, aus so einem interessanten Thema keine trockene Hausarbeit machen zu müssen, sondern ein hoffentlich ähnlich spannenden Podcast. Danke an die Uni Potsdam, die uns den Raum und die Technik zur Verfügung stellt und Dankeschön an die Mitarbeiterinnen des ZIMS und des Referats für Presse und Öffentlichkeit, die uns mit Rat und Tat zur Seite standen.

[Felix]: (.) Ja, von mir auch. Danke schön fürs Zuhören. Kommt gut in die Woche.

[Nina]:Vielen Dank.

[Stephanie]: Ciao.

[Felix]: Tschüss.

[Nina]: Tschüss.

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