„30 Jahre „Berliner Republik“ – Gegenwartsfragen und Zukunftsvorsorge“

Wie steht es um die Handlungsfähigkeit der Berliner Republik?

Mit welchen Herausforderungen wird die „Berliner Republik“ konfrontiert und wie gilt es diese zu bewältigen? Mit diesen Fragen setzte sich die Tagung „30 Jahre „Berliner Republik“ – Gegenwartsfragen und Zukunftsvorsorge“ am 25. November 2022 in der Hessischen Landesvertretung auf mehreren Podiumsdiskussionen auseinander. Zur Eröffnung der ersten Podiumsdiskussion hielt Roland Verwiebe von der Universität Potsdam einen Impulsvortrag zu aktuellen und zukünftigen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen und Lösungsansätzen.

Quelle: YouTube // Deutsche Gesellschaft e.V.
Vortrag in Textform

Ich beginne meinen heutigen Impulsvortrag zu „Wirtschaft und Gesellschaft im Umbruch“ mit drei Vorbemerkungen. 

Erste Vorbemerkung: Die politisch Verantwortlichen in Deutschland, die Interessenverbände, die Zivilgesellschaft, die Kultur, die Kirchen, die Wirtschaft, jeder einzelne Bürger sind derzeit mit einer Gemengelage gleichzeitig auftretender großer Herausforderungen konfrontiert, wie sie die Bundesrepublik Deutschland in den 30 Jahren seit der Wiedervereinigung nicht erlebt hat.

Die Lebenshaltungskosten (+30-50% laut statistischem Landesamt Berlin für die Lebensmittel) und die Preise für Energie und Rohstoffe sind so massiv gestiegen, dass viele Familien bis in die Mittelschicht hin Existenznöte haben, aber auch Unternehmen in unterschiedlichen Branchen (vom Bäckermeister, über den Glaser, den Maurer, der Einzelhandel bis hin zu Großunternehmen) massenhaft in Schieflage geraten sind. 

 

Zweite Vorbemerkung: Die Covid-19-Pandemie ist vorbei. Dies äußern derzeit die meisten Experten (allen voran die STIKO), und die Bürger stimmen hier längst mit den Füßen ab. Gleichzeitig finden die Bundesregierung und die Landesregierungen nicht den Mut, für das Land ein neues Kapitel aufzuschlagen (eine Lösung für eine Komponente einer umfassenden gesellschaftlichen Krise anzubieten). Stattdessen wird der Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen immer größer. 

 

Und man kann hier als Bürger vermutlich auch nur achselzuckend zur Kenntnis nehmen, dass die Politik angesichts bester Absichten aber vieler handwerklicher Fehler der vergangenen zwei Jahre schlichtweg versagt hat. 

 

Dritte Vorbemerkung: Deutschland ist, letztlich unfreiwillig, ein aktives Mitglied einer Kriegsallianz geworden. Und dieser Krieg – und das ist eine nüchterne Betrachtung – hat im Unterschied zu Konflikten der Vergangenheit globale Konsequenzen mit Blick auf militärische, wirtschaftliche, ökologische und soziale Fragen unserer Zeit, mit Blick auf Fragen der Souveränität der Völker.

Diese drei Themen sind allgegenwärtig in nahezu allen persönlichen Gesprächen, die man dieser Tage im Freundes- u. Kollegenkreis führt. Es sind die Themen, die die Medienbe­richterstattung und die politische Diskussion der letzten Jahre dominiert haben. Sie be­stim­men die Handlungsmöglichkeit der Berliner Republik im jetzt und hier und vermut­lich auch in der Zukunft. Und sie markieren gleichzeitig auch die Fähigkeit der Politik und des Landes auf fundamentale gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren. 

Damit ist der Ausgangspunkt für meinen nun folgenden Versuch gesetzt, mich über einige inhaltliche Schwerpunkte von „Wirtschaft und Gesellschaft im Umbruch“ zu äußern, zu denen die Veranstalter mich gebeten haben Stellung zu beziehen. Das sind: 

  • Die Arbeitswelt von morgen
  • Innovationen / Innovationskräfte in Deutschland
  • Klimawandel und Klimaschutz (u.a. Energiewende usw.)
  • Resilienz / Resilienz Steigerung

Das sind/waren sehr große Themenbereiche, zu denen man jeweils eigene Veranstaltungsreihen aufziehen könnten. Ich werde aber versuchen diese vier Punkte so weit wie möglich zu behandeln (mit unterschiedlicher Gewichtung zwar) und miteinander zu verknüpfen. Als inneren Kern meiner nun folgenden Argumentation wähle ich Arbeit und die Zukunft der Arbeit.

Ich habe es an anderen Stellen bereits mehrfach gesagt: die Zukunft der Arbeit hat bereits begonnen. Und es lohnt sich einen hier schon länger stattfinden Wandlungsprozess mit einigen Zahlen, Fakten und Beobachtungen zu charakterisieren. 

Ein wesentlicher, wenn nicht sogar der wichtigste Punkt dieses auf Arbeit bezogenen Veränderungsprozesses betrifft die Ausweitung der Beschäftigung, die wir in den letzten Jahren erlebt haben. 

1991, direkt nach der Wiedervereinigung, waren knapp 39 Mio. Menschen in Deutschland erwerbstätig. Bis 2005/06 (also circa 15 Jahre lang) war diese Zahl der Beschäftigten mehr oder weniger stabil. Seither wächst die Zahl der am Arbeitsmarkt aktiven Personen stetig an.    

Aktuell (3. Quartal 2022) haben wir mit 45,6 Mio. Erwerbstätigen einen Höchststand in der Beschäftigung erreicht (was einer Erwerbsquote von 76% entspricht), davon 41 Mio. abhängig Beschäftigte (34,3 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und 4,2 Mio. rein geringfügig Beschäftigte) und rund 4 Mio. Selbständige. Bei einer Erwerbslosenquote von 3-4% haben wir aktuell Vollbeschäftigung erreicht. Also Gerhard Schröder, Hartz4: Mission accomplished.

Die Arbeitswelt von morgen wird aus meiner Sicht, so dieser Trend hält, mehr Person in unterschiedlichsten Formen von Beschäftigung sehen, als das in der Vergangenheit in diesem Land der Fall war. Jetzt wäre die Frage angemessen: Aber was ist das für Arbeit?

Es ist meines Erachtens außerordentlich wichtig, sich über die innere Logik dieses strukturellen Wandels am Arbeitsmarkt im Klaren zu sein. Denn die Ausweitung der Beschäftigung geht vor allem auf die verstärkte Erwerbsorientierung von Frauen zurück. Deren Erwerbsquote lag 1991 noch bei etwa 55% (überwiegend in Form von Vollzeitbeschäftigung). Inzwischen sind 76% aller Frauen in Deutschland im Alter zwischen 20 und 65 Jahren am Arbeitsmarkt aktiv. Es gibt nur noch sehr wenige Länder in Europa (bspw. Schweden), in denen Frauen eine höhere Erwerbsorientierung besitzen. 

Diese Entwicklung korrespondiert mit steigenden Bildungsaspirationen von Frauen, die inzwischen häufiger als Männer an deutschen Universitäten und Hochschulen studieren (3 Mio. Studierende, davon 50,2% Frauen. 1998: 44% Frauen; bei Studienanfängerquote liegen Frauen seit Jahren über den Männern), eine nur halb so hohe Schulabbrecher-Quote vorweisen und seit einigen Jahren im Durchschnitt eine geringere Arbeitslosigkeit als Männer aufzuweisen haben. Randnotiz: auch das gender pay gap sinkt in Deutschland inzwischen (liegt „nur“ noch bei 18%; statt 22% wie in der Vergangenheit).

Die Ausweitung des Arbeitsmarktes geht aber auch einher mit der Expansion von Niedriglohnbeschäftigung und sogenannten atypischen Jobs einher. 

Von diesen Niedriglöhnen (2/3 des mittleren Stundenlohns; das wären aktuell 12-13 Euro Bruttostundenlohn) sind aktuell 20% der Beschäftigten betroffen (d.h. 9-10 Mio. Beschäftigte) gegenüber einer Niedriglohnquote von ca. 15-16% zu Anfang/Mitte der 1990er Jahre. Dies ist aber nicht gleich verteilt. Es sind die ‚typischen‘ Risikogruppen:  gering qualifizierte Personen, junge Menschen, Migrant: innen, Frauen, Ostdeutsche. 

Mit Blick auf die Ausweitung von atypischer Beschäftigung ist anzumerken, dass aktuell nur noch etwa 25 Mio. abhängig-beschäftigte Menschen in Vollzeitjobs tätig sind. 1991 waren das – in einem deutlich kleineren Arbeitsmarkt – noch 29 Mio. Menschen. Mindestens 30% der Deutschen arbeitet also Teilzeit (wobei die Quote der Frauen bei 50% liegt) oder sind von anderen atypischen Beschäftigungsformen betroffen. 

Dazu gehören laut Statistischem Bundesamt unter anderem ungefähr 1 Mio. Beschäftigte in Zeitarbeitsfirmen (Verdoppelung seit 2005), 2,3 Mio. Menschen mit befristeten Jobs (2,0 Mio. in 1991), 1,7 Mio. geringfügig Beschäftigte, 1,5 Mio. Soloselbständige und circa 4-5 Mio. Studierende, Schüler und Rentner, die in unterschiedlichem Ausmaß beruflich aktiv sind und so ihren Lebensunterhalt (mit) bestreiten (+ 9 Mio. teilzeit-Hauptbeschäftigte – und + 20h).

Wenn ich vor wenigen Minuten also von unterschiedlichen Formen der Beschäftigung geredet habe, dann habe ich als Soziologe genau solche neuen Formen der Beschäftigung im Kopf gehabt. Die innere Logik der Ausweitung des Arbeitsmarktes in Deutschland, beruht damit – neben der Feminisierung von Arbeit – im Wesentlichen auch auf   einer Flexibilisierung der Arbeit, auf die sich vielfach die Beschäftigten auch eingelassen haben (und hier auch für sich selbst Potentiale sehen). Das geht mit veränderten Ansprüchen an die Qualität von Arbeit einher, gerade in der jüngeren Generation – der am besten ausgebildeten Generation, die wir jemals in diesem Land hatten –, die viel stärkere Ansprüche z.B. die Autonomie in der Gestaltung des Arbeitstages, flache Hierarchien anmeldet, viel stärker intrinsisch motiviert ist, sich in der Arbeit auch selbst verwirklichen will, als in der Vergangenheit der Fall war. 

Daher kommt die Dynamik, die sich für viele Unternehmen rechnet, die teilweise auch darauf stark angewiesen sind. Hier sind Innovationskräfte auf der Ebene des Humankapitals sichtbar geworden. 

Der Trend hin zu weniger Vollzeitbeschäftigung, mehr atypischer Beschäftigung aber auch veränderten Ansprüchen an die Qualität von Arbeit wird auch in der Zukunft – so meine These – Bestand haben. Ich sehe also für die Arbeitswelt von morgen positive Entwicklungspotentiale. Gleichwohl werden wir zukünftig in einer Gesellschaft leben, die noch stärker durch soziale Ungleichheiten geprägt ist.

Diese Idee der Ausdifferenzierung von Arbeit und von Beschäftigungsformen, die in die Zukunft hineinreicht, möchte ich noch durch einen weiteren Gedanken unterfüttern und damit gehe ich hier noch kurz auf den a) Branchenwandel und Verschiebungen zwischen unterschiedlichen Branchen des Arbeitsmarktes, auf die b) Veränderungen innerhalb von etablierten Berufen und c) die Entstehung von neuen, digitalen Berufen ein. 

Zunächst zum Branchenwandel und Verschiebung zwischen den Branchen einige Gedanken. Deutschland verstehet sich noch immer als Industrienation mit beträchtlichem Innovationspotential. Daher kommt unser Wohlstand. Da muss man also hinschauen. 

Nun, der Anteil der Beschäftigten im Produzierenden Gewerbe (Industrie, Handwerk und Bau) liegt aktuell bei 24%. Das ist im internationalen Vergleich ein hoher Wert, aber gegenüber den 36% Beschäftigungsanteil im Jahr 1991 ein deutlicher Rückgang (Rekord 49,2% in 1965). Im Dienstleistungsbereich sind 75% der Menschen beschäftigt (1991: 61%). Circa 1% in der Landwirtschaft. Im Verarbeitenden Gewerbe – was im Kern das ist was wir als Industrie verstehen – sind aktuell 7,5 Mio. Personen tätig (20% der Lohnkosten, 2 Billionen Umsatz von 3,6 Billionen GDP) auf dem Bau und in der Logistik jeweils ca. 2,0 Mio. Menschen.

Die Beschäftigung in der Industrie ist also in den letzten Jahren deutlich geschrumpft, und wird auch in der Zukunft nicht wachsen. Dafür gibt es inzwischen nicht mehr die organisatorischen, betriebswirtschaftlichen und technologischen Voraussetzungen. Die Bruttowertschöpfung pro Kopf ist enorm hoch (liegt bei ca. 270.000 Euro) und wird durch einen weiteren Digitalisierungs- und Automatisierungsschub in der Produktion eher noch zunehmen. 

Die meisten Studien, die es bspw. zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz, automatisierten Entscheidungssystemen oder Robotik derzeit gibt, gehen davon aus, dass in der mittelbaren Zukunft (den nächsten 10 Jahren) noch mehr manuelle Arbeit durch solche Technologien ersetzt werden könnten. Dieser Arbeitsplatzabbau wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die hochqualifizierten Dienstleister treffen: Rechtsanwälte, Übersetzer, Börsenhändler, Polizisten, Psychotherapeuten, Arbeitsvermittler, Software-Entwickler, Beschäftigte in den Sozialversicherungen und Krankenkasse, Männer und Frauen etc.. Denn es gibt bereits jetzt gewinnorientierte Firmen, im digitalen Mittelstand, die Services anbieten, in denen Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinelles Lernen (ML) solche hochqualifizierten Tätigkeiten ersetzt. Menschliche Arbeit/Humankapital (unser Potential, von dem ich vorhin sprach) wird durch nicht-menschliche Akteure ersetzt (Maschinen/Automaten/Roboter), die eine spezifische Intelligenz besitzen, selbständig lernen und eigenständige Entscheidungen treffen können. Das ist ein Szenario. 

Das klingt unter Umständen bedrohlich, da wir hier auch in Deutschland von einem Arbeitsplatzabbau in verschiedenen Branchen, nicht nur in der Industrie, ausgehen müssen und dies wird in den Medien teilweise auch so verhandelt. Gleichzeitig kann man aus sehr vielen internationalen Studien, v.a. aus den USA, auch lernen, dass natürlich für die Entwicklung dieser Technologien, für das Produzieren, Verwalten und Transformieren von Daten – dem Rohstoff des 21. Jahrhunderts – enorme Investitionen nötig sind, also nicht nur Arbeitsplätze abgebaut werden, sondern bestehende Arbeitsplätze stark verändert und angereichert werden, und vor allem auch neue Arbeitsplätze entstehen. Im besten Fall können wir also, das wäre meine These für die Arbeit von morgen, von Szenarien der Komplementarität und Koexistenz von menschlicher Arbeit und der Arbeit intelligenter nicht-menschlicher Akteure der Intelligenz ausgehen. Das hat enormes Potenzial. Beispielsweise in der Robotik-Surgery ist dies schon zu sehen. Es gibt hunderte, wenn nicht tausende Operationen in den USA und auch in Estland, usw., in denen Menschen und Roboter zusammenarbeiten um im Grunde bessere Ergebnisse erzielen. 

Auch in Deutschland findet dieser digitale Wandel von Arbeit statt und das Land geht eigene Wege. Im Unterschied zu den USA haben wir keine oder nur wenige globale Techgiganten (Telekom in den USA!), aber bei uns gibt es einen digitalen Mittelstand (Kreativwirtschaft), der erfolgreich ist, viele Think Tanks, gerade in Berlin, die in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen den digitalen Wandel mitgestalten (Konsumentenschutz, Datensicherheit, Fairness im Netz, usw.), aber auch vielfache Formen der Public Private Partnership im Bereich der Digitalwirtschaft (z.B. Cluster Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSH); https://charta-digitale-vernetzung.de/). 

Inzwischen arbeiten 9-10% der Beschäftigten in Deutschland in digitalen Berufen (mit im Vergleich zu anderen Dienstleistungsbranchen überdurchschnittlichen Wachstumsraten). Wenn sie auf Plattformen im Netz gehen (reddit, indeed.com, usw.), dann sehen wir was derzeit im Bereich der digitalen Berufe läuft, wo auch händeringend nach Personal gesucht wird. Das sind nicht die Influencer, die wir alle vor Augen haben, sondern Ethical Hacker, XR-Architects (der virtuelle Realitäten entwerfen, managen oder programmieren kann), Social Media Manager, UX Designer, Tinder Academy oder YouTube Consultants, E-Learning-Autoren, Digital Life Coach, Data Scientist usw. usf.

Auch das Verarbeitende Gewerbe/die Industrie reagiert und entwickelt Szenarien für die Zukunft, die z.B. unter dem Stichwort Industrie 4.0 oder sogar Industrie 5.0. firmieren, und im Kern eine Integration von effizientorientierten Produktionsprozessen aus unterschiedlichsten Berufen und Branchen (Design, Logistik, Datenmanagement, stoffliche Produktion, Social Media Content Produktion usw.) beinhaltet (die zumindest partielle Auflösung von Branchengrenzen mit sich bringt) und diese mit umweltbewussten Praktiken, sozial und humanorientiertem Technikeinsatz und Strategien der Resiellenz zu verknüpfen sucht. Hier zeigt sich auch bei uns ein Innovationspotential, was in die Zukunft reicht.

Ich will, bevor ich Ihnen meine abschließenden Überlegungen vorstelle, noch einmal kurz meine Ausgangsanmerkungen aufgreifen. Wir als Gesellschaft aber auch vor allem die Politik, die eine so wichtige Leit- und Steuerungsfunktion besitzt, sind momentan – so scheint es – voll und ganz mit drängenden, täglich neuen, jedenfalls massiven Herausforderungen konfrontiert. Es herrscht politischer Aktionismus; es wird viel getan, hier ein Programm, da eine Initiative, da ein Versuch, da ein Medientermin, da eine Bürgerversammlung usw. Aber man hat nicht den Eindruck, dass die Politik die Probleme des Landes lösen kann. 

Das ist keine pauschale Elitenkritik. 

Umfrage (Forsa, Deutschlandtrend, führende Institute) zeigen, z.B. dass nur noch 29% der Bürger in Deutschland denken, dass der Staat handlungsfähig sei und seine Aufgaben erfüllen.  Vor einem Jahr lag das Vertrauen in den Staat noch bei 45-50% (je nach Umfrage). 28% sind mit der Arbeit der Regierung zufrieden. Mit der Demokratie als Staatsform sind nur noch 50% (oder weniger) der Bürger zufrieden. Das sind erschütternde Werte (2/3 der Bürger machen sich große Sorgen, dass der Klimawandel unsere Lebensgrundlage zerstört, 55% fordern mehr Diplomatie).

Ich denke, dass für unsere Zukunftsfähigkeit, speziell für die Politik, sehr wichtig ist, wieder mehr in längeren Perspektiven zu denken. Und auch hier die drängenden Probleme abzuarbeiten. 

Das Land hat die Corona-Krise, um das nochmal als Beispiel zu nehmen, meiner Meinung nach, gut gemeistert. Nicht nur die Ärzte und Pfleger in den Krankenhäusern und die Menschen in der Altenpflege; es gab enorm viel Solidarität im Privaten, die Wirtschaft hat das gut durchgestanden, obwohl Zehntausende Selbständige mussten aufgeben (minus 500.000 Soloselbständige). 

Die Politik selber und dazu habe ich mich bereits kritisch geäußert, schneidet hier, aus meiner Perspektive, schlechter ab. 

Warum also in längerfristigen Zyklen denken?

  1. Die Klimakatastrophe ist kein abstraktes, sondern ein sehr konkretes Thema geworden, von dem alle betroffen sind (Massiver Anstieg von Extremwetterereignissen, gravierender Wassermangel in weiteren Teilen Deutschlands und Europas, brennende Wälder). Nicht zu vergessen die massiven Klimabeeinträchtigungen durch Militär, Kriegsschäden und Wiederaufbau. 

 

  1. Viele sehr drängende Probleme dieses Landes werden mit dem aktuellen Politikfokus nicht bearbeitet. Es geht noch immer keine ausreichende Zahl von bezahlbaren Wohnungen in den deutschen Großstädten – Versuchen Sie mal dieser Tage mit einem normalen Einkommen als Familie eine Wohnung in Potsdam, Berlin oder beispielsweise Stuttgart zu mieten. Es ist beinahe unmöglich geworden. 

 

  1. Unsere Gesellschaft ist also mit multiplen Krisen konfrontiert, die gleichzeitig globale Wechselwirkungen besitzen. Es braucht aus meiner Perspektive, um diese Probleme in den Griff zu kriegen, mehr Kooperation über Systemgrenzen als Konfrontation zwischen den Systemen, die gerade wieder aufflammen. 

 

  1. Es braucht mehr Resilienz. Und Resilienz meint hier nicht nur die Widerstandsfähigkeit einer einzelnen Person oder einer Familie. Sie meint hier auch die Widerstandsfähigkeit in einem konstanten System zu erhöhen und international innovative Anpassungsmaßnahmen zu generieren, sodass unsere Gesellschaft/unser Land auf seinem angestrebten Entwicklungspfad anpassungsfähiger wird. 

 

  1. Dafür braucht es umfassende Veränderungen. Nicht nur Umsteigen auf neue Energieträger, sondern auch andere ökonomische Konzepte. Gerade Konzepte der Green Economy könnten das leisten, die Profitorientierung und Umweltschutz miteinander verknüpfen.

 

  1. Wir brauchen aber auch eine andere politische Agenda, davon bin ich länger überzeugt. Wir brauchen mehr aktive Beteiligung und wir brauchen, wenn wir aktive Volksbeteiligung, Volksentscheide, etc. zu lassen auch ein ernsthafteres Umgehen der Politik mit diesen dort vorgebrachten Positionen. Ich erinnere an den Berliner Volksentscheid zum Thema „Wohnen“, vor nicht allzu langer Zeit. Da gab es eine politische Partei, eine kleine Partei ‚Die Linke‘, aber in der Regierung und insofern auch ernst zu nehmen, die das unterstützte. Alle anderen großen bürgerlichen Parteien waren gegen diesen Volksentscheid. Abgestimmt haben am Ende die Berliner und Berlinerinnen mit 55% Zustimmung. Ich glaube, niemand in Berlin will die Wohnungsunternehmen ernsthaft wirklich enteignen, aber das Wohnungsproblem existiert. Und die Politik, die sich dem widmet, kümmert sich nicht. Das heißt, wir brauchen mehr direkte Demokratie. Wir müssen die drängenden Themen, die Initiativen, die es gibt, politisch ernster nehmen, auch wenn es uns schmerzt. Ich denke an Fridays For Future. Ich denke an die lokalen und internationalen, vernetzten Aktivist: innen, die sich dem Klimaproblem widmen. Wir brauchen, denke ich auch, mehr Widerstand in der Bevölkerung, der produktiv ist; dadurch entstehen neue Ideen. Was sich dann auch für eine nachhaltige Transformation in dieser Gesellschaft in die Zukunft hinein nutzen lässt.  

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

  • Industrie 5.0

Industrie 5.0, die auch als fünfte industrielle Revolution bezeichnet wird, ist ein neues von der Europäischen Kommission entwickeltes und vorangetriebenes Modell. Durch sie soll eine industrielle Aktivität gefördert werden, die über die technischen oder wirtschaftlichen Ziele, wie Produktivität und Effizienz, hinausgeht. Industrie 5.0 möchte auch andere für die Zukunft des Sektors wesentliche Zielsetzungen fördern, wie das menschliche Wohlergehen, Nachhaltigkeit und Resilienz.

 

Der Begriff Industrie 5.0, der von der Europäischen Kommission erarbeitet wurde, entstand als ein ergänzendes Konzept zur Industrie 4.0. Dieser neue Ansatz fördert die industrielle Entwicklung hin zu einem Produktionsmodell, das nicht nur auf technologische Innovation und Wirtschaftswachstum, sondern auch auf das Engagement für umweltbewusste Praktiken ausgerichtet ist. Außerdem unterstützt sie Strategien für Resilienz, die den Sektor im Hinblick auf plötzliche Störungen wie das Auftreten der Covid-19-Pandemie stärkt.

 

Dieses Programm, dessen Grundzüge im Bericht Industry 5.0 – Towards a sustainable, human centric and resilient European industry zusammengefasst sind, ist das Ergebnis von Diskussionen im Rahmen zweier virtueller Workshops, die im Juli 2020 stattfanden. An diesen zwei Zusammenkünften nahmen verschiedene Forschungs- und Technologieorganisationen sowie Finanzierungsinstitutionen aus ganz Europa teil. Alle Teilnehmer waren sich einig hinsichtlich der Notwendigkeit, soziale und umweltbezogene Schwerpunkte der Europäischen Union besser in technologische Innovation zu integrieren, indem sich der Fokus von einer individuellen Technologie auf eine systemische Perspektive verlagert.

 

Industrie 5.0 ist keine Weiterentwicklung von Industrie 4.0 und es handelt sich dabei auch nicht um ein alternatives Modell, um diese zu ersetzen. In gewisser Weise unterstreicht sie den Weg, den Industrie 4.0 eingeschlagen hat. Wie die Europäische Kommission erklärt, hat die vierte industrielle Revolution den Schwerpunkt auf die Digitalisierung der Prozesse und die Nutzung von Künstlicher Intelligenz gesetzt, um Produktivität und Effizienz zu erhöhen, und hat dabei die Rolle der am Produktionsprozess beteiligten Mitarbeiter oder den Übergang zu nachhaltigeren Entwicklungsmodellen vernachlässigt.

 

Bei Industrie 5.0 spielt der menschliche Faktor wieder eine Hauptrolle und rückt erneut in den Mittelpunkt des Produktionsprozesses. Gemäß dieser Prämisse muss Technologie dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Daher besteht das Ziel darin, zu einem Szenario der vollständigen Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschine zu gelangen. Anders ausgedrückt: Wenn Industrie 4.0 auf der Vernetzung zwischen Maschinen und Computersystemen basiert, dann strebt Industrie 5.0 die Verbindung der Rollen von Menschen und Maschinen an, um sich gegenseitig zu stärken und zu ergänzen.

 

Das von Industrie 5.0 geförderte Wachstums- und Entwicklungsmodell stützt sich auf drei Grundpfeiler:

 

Nachhaltigkeit. Entwicklung von Produktionssystemen, die erneuerbare Energien nutzen, ist eine der Anforderungen von Industrie 5.0. Mit dem Ziel, die CO2-Emissionen bis 2030 um 55 % zu reduzieren, gibt die Europäische Kommission in ihrem Bericht an, dass die Industrie nachhaltig sein muss, um die Grenzen unseres Planeten zu respektieren. Aus diesem Grund empfiehlt sie die Entwicklung von Kreislaufprozessen, in denen natürliche Ressourcen wiederverwendet und recycelt, Abfälle reduziert und die Umweltauswirkung minimiert werden.

 

Menschen. Industrie 5.0 stellt den Menschen in den Mittelpunkt des Produktionsmodells. Die Prämisse ist eindeutig: Statt uns zu fragen, was wir mit den neuen Technologien tun können, sollten wir uns überlegen, was die Technologie für uns tun kann. Außerdem bestätigt dieser sozialere und menschlichere Blickwinkel, dass Nutzung von Technologie nicht die Grundrechte von Arbeitern verletzen darf, wie deren Recht auf Privatsphäre, Autonomie und Menschenwürde.

 

Resilienz. Resilienz ist zu einem Schlüsselfaktor beim Kampf gegen die COVID-19-Pandemie geworden. Der Bericht der Europäischen Kommission stellt fest, dass geopolitische Veränderungen sowie Naturkrisen wie die COVID-19-Pandemie die Anfälligkeit unserer Industrien offenlegen. Aus diesem Grund besteht eine Verpflichtung des neuen Konzepts von Industrie 5.0 darin, die Fähigkeit zu haben, sich an widrige Situationen anpassen und daraus positiven Ergebnisse erzielen zu können.

 

Mit ihrem nachhaltigen, menschlichen und widerstandsfähigen Ansatz möchte Industrie 5.0 Störungen und Herausforderungen erfolgreich bewältigen und nutzt dafür die Technologie.

Technologien auf dem Weg zu Industrie 5.0

 

Laut der Europäischen Kommission und innerhalb des technologischen Rahmens existieren sechs Schlüsselfaktoren, um Industrie 5.0 voranzutreiben:

 

    1) Individualisierte Interaktion zwischen Mensch und Maschine.

    2) Bioinspirierte Technologien und intelligente Materialien.

    3) Digitale Zwillinge und Simulation.

    4) Übertragungs-, Speicherungs- und Analysetechnologien.

    5) Künstliche Intelligenz (KI).

6) Technologien für Energieeffizienz, zur Nutzung erneuerbarer Energien, Speicherung und Autonomie.

 

Dieser technologische Rahmen muss ein strategischer Verbündeter sein, um die Ziele von Industrie 5.0 zu erreichen. Die vorausschauende Analyse bietet zum Beispiel Werkzeuge zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit des Sektors mit dem Ziel, sich auf mögliche unvorhergesehene Ereignisse wie Klimaveränderungen oder Nachfrageschwankungen vorzubereiten.

 

Des Weiteren übernehmen Cobots (kollaborative Roboter) – Maschinen, die dafür konzipiert sind, um mit den Arbeitern zusammenzuarbeiten und ihnen die anstrengendsten, gefährlichsten oder repetitivsten Arbeiten abzunehmen – zunehmend eine wichtige Rolle in Produktionsstätten und Lagern. Dies ist ermutigend, denn der Boom der Cobots bestätigt die Umsetzbarkeit eines technologischen Modells, bei dem Maschinen und Menschen gemeinsam eine Hauptrolle spielen und harmonisch zusammenarbeiten.

Mit vorausschauenden Analysen ist es möglich, sich auf verschiedene unvorhergesehene Ereignisse vorzubereiten, um die Resilienz der Industrie zu stärken

 

Industrie 5.0 befindet sich noch in den Kinderschuhen, da wir zurzeit damit beschäftigt sind, Industrie 4.0 mithilfe der auf dem Markt verfügbaren Technologien zu verbessern und zu optimieren. Trotzdem besteht das letztliche Ziel in der Förderung einer widerstandsfähigeren, nachhaltigeren und mehr auf den menschlichen Faktor fokussierten Industrie.

 

Industrie 5.0 bietet Vorteile für Mitarbeiter, Unternehmen und unseren Planeten. Zu diesem Zeitpunkt des Paradigmenwechsels, in dem wir uns befinden, werden nicht nur Effizienz und Produktivität angestrebt, sondern das Ziel ist eine Produktion, die die Grenzen unseres Planeten respektiert und den Arbeiter wertschätzt.

  • Agora Energiewende

Die Agora Energiewende schlägt vor Investitionsoffensive in Erneuerbare Energien (à Energiewirtschaft), Energieeffizienz (à CO2-freie Wärme) und strombasierte Technologien in Industrie und Gebäuden (à Modernisierung der Industrie) umzuwandeln. So kann Deutschland die fossile Energiekrise strukturell überwinden und zugleich seine Ausgaben für Gas- und Öl-Importe massiv senken.

Idee ist ein Inflationsbekämpfungspaket im Umfang von 92 Milliarden Euro, das Herstellungs- und Umsetzungskapazitäten für klimaneutrale Technologien deutlich ausweitet, bürokratische Hürden drastisch abbaut und eine sozialgerechte Förderung sowie die Absicherung von Investitionen finanziert.

https://www.agora-energiewende.de/presse/neuigkeiten-archiv/wie-deutschland-gestaerkt-aus-der-fossilen-energiekrise-kommt/ 

Lokale Maßnahmen vom BMWK sind beispielsweise Urbane Modellprojekte zu fördern: 

https://www.energiewendebauen.de/projekt/de/staedte-ganzheitlich-mit-energie-versorgen 


 

 

  • Green Economy

Wie die Erfahrungen im internationalen Umfeld zeigen, ist eine langfristige Verankerung des GreenEconomy-Ansatzes in der Gesamtstrategie der Regierung und unter Berücksichtigung bereits bestehender relevanter Ansätze, z. B. zum Klimaschutz und zur Innovationsförderung, eine Voraussetzung für den Erfolg der gesellschaftlichen Transformation.

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1/publikationen/9-1qendige_strukturelle_vere4nderungen_u_nd_erfolgsbedingungen_fur_deren_tragfahige_umsetzung_in_deutschland.pdf 

Bis zum Jahr 2025 sollen 40 bis 45 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. So sieht es das Erneuerbare-Energien-Gesetz – kurz EEG – vor. 

  • Pipeline Nordstream 1 und 2

Nach dem Leck in den Pipelines Nord Stream 1 und 2 wächst die Sorge über die Folgen, die das austretende Gas auf die Umwelt hat. Das Umweltbundesamt (UBA) geht davon aus, dass durch die Lecks an den Pipelines 300.000 Tonnen Methan in die Atmosphäre gelangen werden. Nach Berechnungen der Behörde führen die Schäden zu etwa 7,5 Millionen Tonnen an sogenannten CO2-Äquivalenten. Das entspreche etwa einem Prozent der deutschen Jahresemission, teilte das UBA mit. Die Berechnung stütze sich auf geschätzte Informationen zu Füllzustand und Volumen der beiden Pipelines.

  • UX Design

User-Experience-Design oder UX-Design befasst sich mit der Analyse, Kreation und Optimierung der Nutzererfahrung. Nutzererfahrung ist ein sehr komplexes Thema, denn sie beinhaltet die komplette Erfahrung (z. B. Gedanken, Emotionen und Bedürfnisse) eines Nutzers bei der Interaktion mit einem digitalen Produkt. Das Ziel von UX-Designern ist es, die Erfahrung des Nutzers zu verbessern. Das heißt zum Beispiel, komplexe Systeme einfach darzustellen und den Nutzer so bequem und schnell wie möglich an das gewünschte Ziel zu bringen.

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