Kampf der Innovationen – Roboter Journalisten im Ring gegen menschliche Kreativität

„Extra, Extra! Lesen Sie alles darüber!“ Die Zukunft des Journalismus hat die Bühne betreten und sie trägt keine klassische Tinte und kein Papier mehr. Willkommen in einer Welt in der Nachrichtenartikel nicht mehr von versierten JournalistInnen, sondern von ausgeklügelten Algorithmen geschrieben werden. In einem digitalen Zeitalter, welches von Daten und Automatisierung geprägt ist, haben Roboterjournalisten eine bedeutende Rolle bekommen und sorgen für Staunen und Skepsis gleichermaßen. Doch während wir in diese schöne neue Welt eintauchen, bleiben zwei Fragen wie ein leises Flüstern im Raum zurück:

Können Roboter wirklich die kreativen Köpfe hinter dem menschlichen Journalismus in den Schatten stellen? Und haben Roboter Journalisten tatsächlich die Hauptrolle ergattert?

Die Revolution der Roboter

Unsere Informationslandschaft durchläuft momentan einen gewaltigen Wandel und der technologische Fortschritt katapultiert uns – scheinbar – in eine Ära grenzenloser Potenziale. Der Roboter Journalismus mag noch jung sein, aber er hat in den letzten Jahren eine atemberaubende Entwicklung hingelegt. Die Relevanz dieses Themas liegt in der Tatsache, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) dazu in der Lage ist, den Journalismus in seinen Grundfesten zu erschüttern. Diese smarten Maschinen können journalistische Aufgaben übernehmen, die bisher dem menschlichen Können vorbehalten waren, sei es Recherche, Datenanalyse oder Texterstellung. Da die digitale Technologie ein sich ständig veränderndes Umfeld der Innovation und Anpassung schafft, müssen Nachrichtenredaktionen immer wieder neu bewerten, was sie ihren KonsumentInnen zu bieten haben. Die technische Evolution KI-basierter Journalismus-Tools hat in den letzten Jahren große Sprünge gemacht. Heutzutage gibt es eine beachtliche Palette von Programmen, die journalistische Aufgaben eigenständig meistern können. Hier sind einige der Stars am KI-Himmel:

Diese Verschmelzung von KI und Journalismus verändert die Nachrichtenproduktion- und konsumption grundlegend, deswegen ist es essenziell diese Entwicklung genauer zu untersuchen.

Die Roboter-Journalisten im Rampenlicht: Ihr Auftritt, bitte!

Abb. 1: KI geniertes Bild zeigt Roboter auf Bühne

Roboter-Journalisten stellen eine faszinierende Fusion aus Datenanalyse und kohärenter Storytelling-Fähigkeit dar. Sie tauchen tief in Datenströme ein, filtern relevante Informationen heraus und „weben“ daraus Erzählungen und Berichte, bei denen LeserInnen oft nicht mehr erkennen können, dass diese von Maschinen verfasst wurden. Diese Technologie basiert auf algorithmischen Systemen aus dem Bereich des Maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz, die besondere Fähigkeiten in der Sprachverarbeitung besitzen. Aktuelle Anwendungen dieser Technologien decken eine breite Palette von journalistischen Tätigkeiten ab, die von Robotern übernommen werden. Hierzu gehören das Verfassen von Nachrichtenartikeln, die Produktion von Videoinhalten, Informationsrecherche, Datenanalyse, sowie die Erstellung von Grafiken und Diagrammen. Innerhalb dieser Palette bezieht sich der Algorithmic Journalism, auch als Automated Journalism bekannt, auf die automatisierte Erzeugung von Texten. Diese Technologie ermöglicht das automatische Schreiben von Artikeln und trägt dazu bei, den journalistischen Arbeitsprozess zu optimieren.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, zwischen zwei verschiedenen Arten von Bots (Abkürzung für „Robots“) zu unterscheiden, die in der Lage sind, automatisierte Aufgaben eigenständig wiederholt zu bearbeiten. Regelbasierte Bots finden dabei häufig Verwendung in FAQ-Szenarien und Leserservice Funktionen. Sie ermöglichen eine effiziente Kommunikation mit LeserInnen, indem sie vordefinierte Antwortmöglichkeiten und Klickfelder verwenden. Adrian Lobe betonte kürzlich hierzu in der FAZ, dass diese Bots nicht nur dazu dienen, Informationen zu liefern, sondern auch genutzt werden, um LeserInnen aktiv in den journalistischen Prozess einzubeziehen und somit den Bürgerjournalismus fördern. Im Gegensatz zu regelbasierten Bots, sind nicht regelbasierte Bots flexibler und weisen durch ihre Lernfähigkeit eine gewisse Form der Autonomie und Anpassungsfähigkeit auf. Sie haben die Fähigkeit aus großen Mengen an Daten Muster und Zusammenhänge zu erkennen, eigenständig Schlüsse zu ziehen und auf Grundlage dieser Erkenntnisse, Inhalte zu erstellen. Sie können auf natürliche Sprache reagieren und Texte verfassen, ohne, dass alle möglichen Ausgänge vorab programmiert werden müssen. Stattdessen lernen Sie aus den vorhandenen Daten und passen sich an neue Situationen an. Ein Beispiel dafür ist die Nutzung von sogenannter „Multichannel-Content-Monetarisierung“. Dabei setzen Medienunternehmen vor allem für Social Media Plattformen und Webseiten KIs ein, die in der Lage sind auf jeweilige Zielgruppen individuell abgestimmte Inhalte zu kreieren und diese zum optimalen Zeitpunkt zu veröffentlichen. Die KIs sind selbstlernend und können daher mit jeder eigenständigen Analyse der Datenbank, mit all ihren Nutzerinformationen, ihre Fähigkeiten fortlaufend verbessern, ohne dass ein Mensch erneut Hand anlegen muss.

Innovationsreigen im Ring: Roboter vs. Mensch

Mit der Geschwindigkeit einer Redaktion im Koffeinhoch liefern Roboterjournalisten blitzschnell druckfertige Nachrichten und können neue Daten in Lichtgeschwindigkeit verdauen. Diese künstlichen Schreiberlinge eröffnen dem Journalismus durchaus neue Chancen, denn die Zuverlässigkeit und Genauigkeit der Maschinen ist hoch. Robotic Journalists sind weniger bis kaum fehleranfällig, aufgrund ihrer Fähigkeit zur präzisen und konstanten Datenverarbeitung, sowie zur strikten Einhaltung vordefinierter Regeln und Muster. Im Gegensatz zu menschlichen JournalistInnen sind sie nicht anfällig für Müdigkeit, Ablenkung oder emotionale Einflüsse, die zu unbeabsichtigten Fehlern führen können. KI Systeme werde bei schlechtem Wetter nicht krank, benötigen keine Schwangerschaftsurlaube und sind bereit ohne Unterbrechung rund um die Uhr zu arbeiten. Darüber hinaus befolgen Roboterjournalisten Regeln ohne Widerrede und führen eigenständig Kontrollen durch, um sicherzustellen, dass die erstellten Inhalte den erwarteten Richtlinien entsprechen. Dies trägt dazu bei, potentielle Fehlerquellen zu minimieren und eine gleichbleibend hohe Qualität in der Berichterstattung zu gewährleisten.

Übermenschliche Produktionszeit: Am 15. November 2018 verfasste die KI „Dreamwriter“ von Tencent, gemäß der Industrie-Newsplattform „International Intelligent Robot“ beeindruckende 1298 Wetternachrichten, 773 Finanznachrichten, 546 Meldungen aus dem Bereich Mobilität, 126 Immobiliennachrichten und 76 Sportbeiträge. Insgesamt summiert sich dies auf bemerkenswerte 2819 Nachrichten an nur einem einzigen Tag!

Präzise Recherche und Datenanalyse: Die Einführung von Sensoren zur Datenerfassung hat menschliche Aktivitäten fast vollständig digitalisiert und in Datensilos gespeichert. KI-Algorithmen durchsuchen diese Silos, um verborgenes Wissen aufzudecken und Trends frühzeitig zu erkennen. Stellen sie sich eine Welt vor, in der sie brandaktuelle Nachrichten auf dem Silbertablett serviert bekommen, maßgeschneidert nach ihren Interessen. Unternehmen wie Narrative Science haben Algorithmen wie Quill entwickelt, die Daten in verständliche Geschichten umwandeln können. Diese Geschichten sind journalistische Artikel, deren Ton und Struktur exakt auf die Zielgruppe zugeschnitten sein sollen.

Newsgathering: Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz eröffnen sich neue Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung und zur Generierung von Story-Ideen. Dies dient dazu Ausreißer in Datenmenge aufzuspüren, automatisch Trends in nutzergenerierten Inhalten sozialer Medien zu erkennen und Informationen aus Dokumenten zu extrahieren. Ein Beispiel hierfür ist das KI-gestützte System von Forbes, das Vorschläge für Schlagzeilen oder begleitende Bilder für Artikel automatisch generiert. Die automatisierte Produktion von Nachrichteninhalten hat bereits in den Bereichen Sport, Wetter, Wirtschaft und Finanzen Einzug gehalten.

Effizienterer Einsatz von Personalressourcen: Reporter können nun die Möglichkeiten automatischer Produktion von Inhalten nutzen und ihre Konzentration auf die Bereiche lenken, die menschliches Einfühlungsvermögen, Stellungnahmen oder kritisches Hinterfragen erfordern. Zudem können Algorithmen zwischen verschiedenen Medienformaten wechseln. Sie können Daten in Texte und Texte in Videos verwandeln. The Washington Post setzt beispielsweise einen Reporting-Bot ein, der berichtenswerte Datenmuster erkennt und JournalistInnen zu Scoops führt. Und die Associated Press nutzt intelligente Technologie, um Daten ohne menschliches Zutun in Vorschauen für NBA-Spiele zu verwandeln.

Größere Reichweite: KI ebnet JournalistInnen den Weg, um KonsumentInnen auf neu entstehenden Plattformen zu erreichen, indem sie deren Verhalten analysieren und Veröffentlichungs- und Monetarisierung-Strategien in Echtzeit optimieren. Die paywall des Wall Street Journal wird von einem Algorithmus gesteuert, der vorhersagt, wann LeserInnen ein Abonnement abschließen werden. Dies hat das Wirtschaftsmagazin sowohl in Bezug auf seine Einnahmen als auch auf seine Leserschaft gestärkt. Ein futuristischerer Anwendungsfall zeigt sich bei der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, die den weltweit ersten KI Nachrichtensprecher entwickelt hat – eine digitale Kopie, die menschlichen JournalistInnen stark ähnelt.

Herausforderungen und ethische Schlachten: Roboterjournalisten kämpfen um Anerkennung

Doch wie jeder Show-down hat auch der Kampf zwischen Robotern und Menschen seinen eigenen Rhythmus und er ist nicht ohne Dissonanzen. In diesem Zusammenhang, in dem ethische Standards und moralische Überlegungen eine zentrale Rolle spielen, wirft Ethik schlechtes Licht auf den Journalismus. Es stellt sich die Frage, ob wir einem Algorithmus wirklich vertrauen können, wenn es darum geht, die feinen Nuancen der Berichterstattung zu erfassen, Emotionen zu interpretieren und die vielschichtigen Facetten menschlicher Erfahrungen einzufangen. Die Vorstellung, dass die Kreativität von Menschen durch maschinelle Produktion ersetzt wird, wirft eine Reihe von weitergehenden Fragen auf.

Eine dieser Fragen betrifft die potenzielle Gefahr von Voreingenommenheit und Ungenauigkeit in KI-basierten Inhalten. Trotz der bemerkenswerten Fortschritte in der künstlichen Intelligenz, sind z.B. Chatbots, die aktuell für viel Aufsehen sorgen, definitiv nicht frei von Einschränkungen. Chatbots können nicht eigenständig komplexe Zusammenhänge hinterfragen oder auf unerwartete Ereignisse spontan reagieren. Dies kann zu Situationen führen, in denen ein Bot unangemessene oder ungeeignete Antworten gibt. Beispielsweise zeigt sich eine merkliche Diskrepanz in der Qualität der englischen und deutschen Sprachausgabe, wenn Nachrichtenproduzenten Text-to-Speech Technologie nutzen, um wie die Neue Osnabrücker Zeitung NOZ nicht nur gedruckt und digital, sondern auch auditiv präsent zu sein. Der Grund für die Diskrepanz ist, dass mehr englische Daten zur Schulung der Software zur Verfügung stehen als deutsche Daten, was den Lernprozess und somit das Output der KI beeinträchtigt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer sorgfältigen Qualitätskontrolle und Überwachung der automatisierten Systeme, um sicherzustellen, dass sie präzise und relevante Informationen liefern, die nicht unangebracht oder diskriminierend sind. Letztendlich hängt die Wirksamkeit der Technologien im Roboterjournalismus stark von der Qualität der Trainingsdaten und den zugrundeliegenden Algorithmen ab. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu betonen, dass eine menschliche Kontrolle über den Roboterjournalismus notwendig ist, um die potenzielle Gefahr der Generierung falscher oder ungenauer Inhalte zu minimieren.

Eine andere Herausforderung ist die wachsende Macht einiger weniger Techkonzerne im Medienbereich. Denn dies hat weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Medienlandschaft. Eine Facette dieser Entwicklung ist die Verwendung von Social Bots, insbesondere auf Plattformen wie Twitter und Instagram. Diese Bots bergen Risiken für die Meinungsbildung und öffentliche Diskussion. Erstaunlicherweise reichen bereits 2-4 % an Bots aus, um das Meinungsklima zu beeinflussen und lauten Minderheiten überproportional viel Einfluss zu verschaffen. Der Einsatz nicht ausreichend kontrollierter Bots kann dazu führen, dass NutzerInnen eine verzerrte Vorstellung von relevanten Themen und populären Meinungen erhalten, wodurch demokratische Prozesse, die traditionell vielfach über Schlüsselmedien vermittelt wurden, akut bedroht sind. So ergab eine Untersuchung von 14 Millionen Nachrichten und 400.000 Artikeln auf Twitter durch die University of Southern California und der Indiana University, dass bereits 6% der als Bots identifizierten Konten für die Verbreitung von 31% der Informationen verantwortlich waren, die zuvor als „wenig glaubwürdig“ eingestuft worden waren. Zudem teilten diese Accounts, die im Untersuchungszeitraum von März 2016 bis März 2017 ausfindig gemacht und analysiert wurden, 34% aller Artikel aus Quellen mit geringer Glaubwürdigkeit.Bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 waren solche automatisierten Accounts eingesetzt worden, um Falschinformationen und polarisierende Inhalte zu verbreiten. Durch Likes und Retweets erzeugten sie künstliche Unterstützung für bestimmte Themen und Meinungen, was die öffentliche Wahrnehmung und Diskussion in sozialen Medien verzerrte und Manipulationsvorwürfe laut werden ließ.

Abb. 2: Artikel der Business Punk über KI „Tweet Hunter“ (Screenshot)

Der Aufstieg des Roboter journalismus wirft damit auch ethische Fragen auf. Hierbei geht es insbesondere um die klare Abgrenzung von Fakten und Meinungen sowie um die transparente Kennzeichnung von Roboterjournalismus. Eine solche Kennzeichnung wäre von entscheidender Bedeutung, um die Integrität und Glaubwürdigkeit der Berichterstattung zu wahren. Denn (noch) sind KI-Algorithmen nicht in der Lage, menschliche JournalistInnen als Hüter von Demokratie und Menschenrechten zu ersetzen, da diese Rolle ein tieferes Verständnis von Menschlichkeit, Kontext und moralischer Verantwortung erfordert.

Und zu guter Letzt benötigt die Implementierung der Anwendung der künstlichen Intelligenz auch präzise Anweisungen, um effektiv und effizient genutzt werden zu können. Die RedakteurInnen, die in diesen Prozess involviert sind, sollten sowohl eine Affinität zum Journalismus als auch zum Kodieren besitzen. Die Unsicherheit, die auf Seiten der MitarbeiterInnen hinsichtlich neuer und unbekannter Technologien, sowie deren Auswirkungen auf den Arbeitsplatz entstehen kann, sollte ebenfalls berücksichtigt werden.

Der Weg der JournalistInnen: neue Horizonte für menschliche Kreativität

Inmitten dieser sich zuspitzenden Dramatik taucht ein Silberstreif am Horizont auf: Der Aufstieg der Roboterjournalisten eröffnet neue Möglichkeiten für die menschliche Kreativität. Befreit von der mühsamen Datenanalyse können JournalistInnen nun zu neuen Gipfeln der Innovation aufbrechen. Die Rolle der menschlichen JournalistInnen entwickelt sich in diesem Kontext weiter; sie müssen nicht nur die neue Technologie am Arbeitsplatz beherrschen können, sondern auch aktiv bereit sein, sich auf neue Arbeitsweisen einzulassen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Dabei können Chatbots eine wichtige Rolle spielen, indem sie Redaktionen bei der Automatisierung von Routineaufgaben unterstützen und Informationen schneller zugänglich machen. Die Integration von Bots eröffnet dem Journalismus ein breites Spektrum an Möglichkeiten, von effizienterer Kommunikation bis hin zur automatischen Texterstellung.

Abb. 3: Einsatzbereiche von künstlicher Intelligenz im Journalismus

Die Herausforderung besteht darin, die Stärken der Technologie zu nutzen und gleichzeitig ihre Grenzen zu respektieren und die journalistische Integrität und Qualität zu bewahren. Telepräsenzroboter wie „Beam“ tragen zum Beispiel dazu bei, räumliche Distanzen zu überwinden und ermöglichen es JournalistInnen über große Entfernungen zu berichten, ohne physisch reisen zu müssen. Diese Technologie hat auch das Potenzial, Branchen wie Reisen und Tourismus positiv zu beeinflussen. Die Vorreiter im Bereich der Nachrichtenproduktion sehen die Einführung von KI nicht nur als den nächsten großen Trend, sondern als eine Möglichkeit zentrale Herausforderungen der Redaktion zu bewältigen. KI ermöglicht es personalisierte und maßgeschneiderte Berichte zu erstellen, wobei zeitgleich Datenmuster analysiert, multimediale Erfahrungen geschaffen und Geschichten entdeckt werden, die dem bloßen Auge verborgen bleiben. Ein Beispiel einer solchen Synergie ist The Washington Post und der „Heliograf“-Algorithmus, welcher automatisch Nachrichtenartikel über Sportergebnisse oder Wahlen erzeugen kann. Eine ähnliche Initiative wurde von der BBC mit dem Projekt „The Juicer“ durchgeführt, welches ermöglicht automatisierte lokale Nachrichtenartikel aus offiziellen Regierungsdaten zu generieren. Ein weiterer Mediengigant, der Algorithmen für sich arbeiten lässt, um große Mengen an Daten in Echtzeit analysieren und automatisierte Finanzberichte generieren zu können, ist Reuters. Und sogar ganze Unternehmen wie Findability Sciences spezialisieren sich darauf, KI-Dienste zur personalisierten Nachrichtengestaltung für Medienunternehmen anzubieten, um die Bindung der LeserInnen zu steigern. Auch „Echobox“ stellt eine solche Plattform dar, die von Nachrichtenagenturen wie Le Monde und The Washington Post genutzt wird, um personalisierte Inhalte für die LeserInnen zu erstellen und die Reichweite von Nachrichtenartikeln zu erhöhen. Gleichzeitig sind einige KIs in der Lage eigenständig Faktenchecks durchzuführen und zu überprüfen, ob bestimmte Aussagen innerhalb eines Textes korrekt sind. Der Chatbot „Full Fact“ zum Beispiel erleichtert JournalistInnen des Guardian die Arbeit und ermöglicht den LeserInnen, Fakten in Echtzeit auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu kontrollieren und sich so beim Lesen von Nachrichtenartikeln eine fundierte Meinung bilden zu können. Darüber hinaus setzt YouTube automatisierte Untertitelungsdienste ein, die auf fortschrittlichen Spracherkennungsalgorithmen basieren. Diese Algorithmen sind in der Lage, gesprochene Sprache in Videos zu erkennen und automatisch in Text umzuwandeln, um

Untertitel zu generieren. Auf diese Weise können Videos für ein breiteres Publikum zugänglich gemacht werden, insbesondere für Menschen mit Hörbehinderungen. Ein ähnliches Beispiel findet sich auch in der Bilderkennungstechnologie. Plattformen wie Facebook und Instagram verwenden automatisierte Bilderkennungsalgorithmen, um Bildbeschreibungen zu kreieren. Diese Algorithmen analysieren Bilder und erkennen automatisch die darin enthaltenen Objekte, Personen oder Szenen, um Bildunterschriften oder Beschreibungen zu erstellen. Dadurch können NutzerInnen Inhalte besser verstehen und auch Menschen mit Sehbehinderungen können durch die automatisierten Beschreibungen einen besseren Zugang zu visuellen Inhalten erhalten.

Abb. 4: Automatisch generierte Bildbeschreibung bei Microsoft Word zu Abb. 1 (Screenshot)

Finale: der Vorhang fällt

Während der letzte Akt dieses technologischen Dramas sich dem Ende zuneigt, bleibt die zentrale Frage bestehen: Werden Roboterjournalisten die Hauptrolle im Schauspiel der Nachrichtenwelt übernehmen, die einst den Menschen vorbehalten war?

Die Antwort ist kein klares Ja oder Nein. Die Zukunft des Journalismus wird zu einem Duett, einem dynamischen Tanz zwischen menschlicher Kreativität und maschineller Präzision führen. Das innovative Orchester spielt eine Symphonie, die sowohl einen Dirigenten als auch eine Maschine benötigt.

Der Einfluss von Roboterjournalismus verändert Medienunternehmen grundlegend. Menschliche JournalistInnen stehen vor der Herausforderung sich anzupassen. Die Integration von Künstlicher Intelligenz in den Journalismus bietet eine aufregende Zukunft, in der Technologie und menschliche Kreativität Hand in Hand gehen. Denn trotz dieser Fortschritte bleibt der Mensch unverzichtbar, wenn es darum geht, komplexe Themen zu analysieren, Hintergründe zu erfassen und auf unvorhersehbare Entwicklungen zu reagieren. Menschliche JournalistInnen tragen die Verantwortung, die Demokratie und Menschenrechte zu schützen; sie müssen sicherstellen, dass ihre beruflichen Entwicklungen diese wichtige gesellschaftliche Funktion weiterhin bewahren und stärken, während sie gleichzeitig die Vorteile der Technologie nutzen. Um aber eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine gewährleisten zu können, sind frühzeitige, offene Kommunikation und Schulungen für die Angestellten im Umgang mit neuen Technologien von großer Bedeutung. In Anbetracht dieser Entwicklungen kann die Zukunft des Journalismus zu einer faszinierenden Kombination aus Mensch, Maschine und Ethik werden. Menschliche JournalistInnen müssen sich auf veränderte Arbeitsabläufe einstellen, innovative Vermarktungs- und Verbreitungsstrategien entwickeln und gleichzeitig sicherstellen, dass die ethischen Richtlinien, hinsichtlich Transparenz und Integrität stets gewahrt werden. Mit der Schaffung von Qualitätsgeschichten vereint der Journalismus Kunst und Wissenschaft, und durch Automatisierung – den Einsatz von KI-Algorithmen – wird ihm eine neue Dimension verliehen.

Und da haben sie es – eine Erzählung über Roboterjournalisten und ihren atemberaubenden Kampf der Innovationen, der die Journalismuswelt im Sturm erobert hat. Einen Wettstreit um Potenziale, Hindernisse und Verheißungen einer neuen Ära. Eine Geschichte, die in enger Zusammenarbeit von menschlicher Intelligenz und künstlicher Präzision entstanden ist, um nicht nur ihren Verstand, sondern ebenso ihre Emotionen anzusprechen. Denn auch, wenn die Protagonisten dieses Schauspiels aus Zeilen von Codes bestehen, so ist die Geschichte zweifellos, unwiderruflich und herrlich menschlich – oder etwa doch nicht?

Jitka Müller

1 Kommentar zu „Kampf der Innovationen – Roboter Journalisten im Ring gegen menschliche Kreativität

  1. Avatar von Johanna

    Richtig guter Artikel. Lob an die Autorin!

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